Backpacker Packliste für Südamerika

Hier eine kleine Liste an Dingen, die man auf einer längeren Rucksackreise dabei haben sollte. Reiseapotheke und Impfungen sollte man unbedingt ernst nehmen! Als ich das erste Mal in nach Ecuador loszog, kümmerte ich mich noch einen Sch… darum. Nachdem ich von der zweitgiftigsten Schlange Südamerikas gebissen wurde (Terciopelo-Lanzenotter), einen rätselhaften Virus einfing, der mich drei Monate lang praktisch ausser Gefecht setzte und dann noch eine schwere Lebensmittelvergiftung durch verdorbenes Fleisch einzog, liess ich mich aber eines Besseren belehren: Bevor man sich auf die Reise begibt, sollte man alle möglichen und vom Aufwand her vertretbaren Vorkehrungen treffen, die einem im Krankheitsfall schützen. Reise- und Unfallversicherung, Rega-Gönner (für Schweizer), Medikamente, Verbandszeug, Desinfektion etc. Es geht überhaupt nicht darum, paranoid zu werden, sondern Verhaltensweisen zu entwickeln, die dafür sorgen, dass man das Reisen so lange wie möglich ohne Zwischenfälle und Krankheiten geniessen kann!

Und falls es zu einem solchen Notfall kommt, rate ich, immer sofort die beste Klinik/den besten Spital des Landes bzw. der Region aufzusuchen. Alles andere ist schlicht und einfach dumm.

Ach ja, und wenn ein Restaurant zur Essenszeit praktisch leer ist, dann liegt es wahrscheinlich daran, dass das Essen dort schlecht ist (auch wenn es von aussen noch so gut aussieht). Das Essen von der Strasse ist zwar sehr billig, kann aber auch gefährlich sein, wenn es nicht gekocht, gebraten oder mit sauberem Wasser gewaschen ist. Von rohen Früchten oder Gemüse, die nicht geschält sind, würde ich immer und in jedem Fall die Finger lassen („Cook it, peel it or forget it!“). Sonst kommt der Durchfall schneller als einem lieb ist. Meeresfrüchte sollte man generell nur an Orten Essen, von wo man auch aufs Meer schauen kann. Sonst wird es ebenfalls schnell gefährlich. Und noch was: Wenn das Fleisch mal ‚komisch‘ schmeckt: Sofort ausspucken, den Teller weit weg schieben und nicht mehr anrühren! Ihr wisst gar nicht, was ihr euch damit alles ersparen könnt 🙂

Jetzt noch ein paar Sicherheitshinweise: Reisepass und Bankkarten immer an einem versteckten Ort (z.B. in einer Innentasche des Tagesrucksacks aufbewahren). Wenn du mit mehreren Karten und/oder viel Geld und/oder Original-Ausweispapieren auf die Strasse gehst, platziere diese an vielen verschiedenen Orten, z.B. Portmonee, linke Hosentasche, rechte Hosentasche Geldgürtel, Unterhose 😉 etc. Allgemein solltest du aber immer nur so viel Wertsachen mitnehmen, wie du ‚draussen‘ brauchst. In 99% der Fälle reicht eine Kopie vom Reisepass. Den Rest lässt du besser an einem sicheren Ort in deinem (Hotel-)Zimmer bzw. Schliessfach.

Bevor du nachts zu Fuss auf die Strasse gehst: Informiere dich bei Einheimischen über die Gefahren und ob du nicht besser ein Taxi nehmen sollst.

Falls du trotz allem doch mal überfallen wirst: Nicht sofort alles hergeben, was du hast, sondern einfach mal das Portmonee mit etwas Bargeld rausrücken und wenns sein muss das alte Nokia-Handy von Onkel Paul. Die Diebe sind da meistens schon zufrieden, da musst du nicht auch noch die Kamera und das Smartphone mitgeben, die du im Rucksack oder in andern Taschen mitführst 😉 AUF KEINEN FALL solltest du dich wehren, davon rennen oder dich irgendwie sonst für stärker halten als dein Bedroher! Es kann sich sonst sehr schnell mal eine Kugel lösen, was du dein Leben lang bereuen würdest (falls sie dich nicht umbringt).

Und nicht vergessen: Mit ein bisschen Humor, Fremdsprachenlernen und ohne Berührungsängste geht’s mit den Einheimischen am besten! (das gilt mindestens für Südamerika)

KLEIDUNG

◾gute (Wander-)Schuhe

◾Bequeme Trainerhose für lange Busfahrten

◾Flipflops aus Gummi (trocknen schnell, nützlich für Strand und das Duschen auf schmutzigen Böden)

◾Flies / Faserpelz, der schnell trocknet

◾Für den Regenwald: Dünne, langärmelige T-Shirts (schützen vor Moskitos), dünne lange Hosen (dito)

◾Mindestens ein schönes Hemd für Hochzeiten oder andere Feste, wo man als Reisender von Einehimischen eingeladen wird

◾Regenjacke, -hose

◾Regenschirm oder -poncho

◾Jeans

◾Warme Mütze, Handschuhe

◾Innenschlafsack aus Seide (nützlich bei schmutziger Bettwäsche in Hostels)

◾Evt. Schlafsack (Kalte Temperaturen in den Anden)

◾KEINE Gummistiefel! (sind zu schwer und bei Bedarf fast überall erhältlich)

ELEKTRONISCHES

◾Taschenlampe (evt. mit Handkurbel-Antrieb)

◾Stirnlampe (mit Batterien)

◾Handy (altes Nokia oder Sony Ericsson) mit Aufladekabel

◾evt. Laptop oder Tablet (es geht auch ohne, dank Internetcafés an jeder Ecke)

◾iPod oder Ähnliches

◾Fotokamera inkl. Aufladegerät und Ersatzbatterie

◾Genug Speicherplatz für Fotos etc. (Externe Festplatte oder USB-Sticks)

◾Netzadapter

GELD UND PAPIERE

◾2 Portmonees (1 für den täglichen Gebrauch, 1 für ID, Kredikarte etc.)

◾1 Kreditkarte, 1-2 Debitkarten

◾Kopie von Reisepass, Flugtickets und Visa (Scans auch auf dem eigenen Email-Account speichern)

◾Kleine Reserve in der Währung des Landes, wohin man zuerst geht

◾Notizheft und Schreibzeug

◾Kleine Plasticksäcke, auch wiederverschliessbare (um Wertsachen und Handy vor Feuchtigkeit zu schützen)

WICHTIG

◾Guter Sonnenschutz! Sonnencrème, -hut, -brille

NÜTZLICH

◾Taschenmesser

◾Trinkflasche zum Wiederauffüllen (zB aus Aluminium, oder Thermosflasche)

◾Wasserdesinfektions-Tabletten (so kann man Hahnenwasser trinken und muss nicht immer neue PET-Wasserflaschen kaufen)

◾Taschentücher (WC-Rollen herumtragen ist doof und wenn man sparsam ist, kann man sich mit einem guten Taschentuch –wenn man es unterteilt – mindestens drei Mal den Arsch abwischen. Ausser man hat Durchfall…

◾Schnur

◾Klebeband

◾Kompass

◾Ohrstöpsel zum Schlafen bei Lärm, evt. auch Augenschirme gegen Licht an- ausschalten in Hostel-Schlafräumen

REISE-APOTHEKE

◾leichtes Verbandszeug

◾Pflaster

◾Wundsalbe

◾Desinfektionsspray

◾Desinfektionstüchlein für die Hände

◾Schmerzmittel

◾Fieberthermometer

◾ Wegwerf-Plastikhandschuhe

◾Malaria-Medikamente (je nach Reisegebiet)

◾Breitband-Antibiotika

◾Antihistamine gegen rätselhafte Allergieanfälle

◾Insektenspray (z.B. Anti-Brumm)

◾evt. Fersenpflaster

◾Durchfallmedikamente für den Notfall (Busfahrt, Flug etc.), z.B. Immodium lingual. Ansonsten nicht zu empfehlen, da sie zu Verstopfung und Krankheitsverlängerung führen können

IMPFUNGEN

◾Gelbfieber

◾Hepatitis A + B

◾Zecken (FSME)

◾Tollwut

◾Typhus

◾Tetanus (DiTetBa)

◾Polio (Kinderlähmung)

More pictures of beautiful Yasuní National Park in Ecuador

Fotos by Marco Buff

(die schon veröffentlichten Fotos dieser Reise findest du hier)

Reisen… wofuer?

Indem wir Reisen, sehen wir unsere Welt, unser Leben aus einem anderen Blickwinkel. Wir lernen, dass unsere Kultur und unsere Herkunft nur eine von unendlich vielen moeglichen und unmoeglichen Lebensentwuerfen ist. Dass was fuer uns selbstverstaendlich ist, andere nicht kennen oder sich nur wuenschen koennen –  und umgekehrt! Indem wir weiter entdecken, wird uns immer und immer wieder die eigene Ignoranz vor Augen gefuehrt und vor lauter Staunen ueber die Wunder der Welt werden wir ploetzlich ganz feierlich und demuetig.
Manchmal realisieren wir, dass unsere eigene Multioptionsgesellschaft vielleicht doch nicht ganz so viele Optionen fuer uns bereithaelt, solange wir nicht ausbrechen aus dem Einheitsbrei des Alltagslebens. Ja, die Moeglichkeiten sind da, doch was bringt es uns, wenn wir sie nicht nutzen? Wenn wir uns zu fest einengen lassen von Konformitaetsdrang und Einfalt? Wie stellen wir fest, dass es vielleicht ganz gut waere mal ein bisschen loszulassen von unserem materiellen Luxusleben? Wir haben so viel Freiheit wie noch nie und entscheiden uns doch fuer ein ewiges 8- bis 5Uhr-Arbeitsleben und 7- bis 10Uhr-Fernsehabende. Haben viel Geld und wenig Ahnung, was mir Sinnvolles anfangen koennten damit. Viel Bildung und wenig Weisheit, diese auch mal fuer eine kritische Betrachtung unserer Umwelt zu nutzen.
Das koennten wir, unter anderem, dadurch erreichen, indem wir mal ein bisschen Abstand gewinnen, ein bisschen aussteigen, ein bisschen uns inspirieren lassen von einer neuen Umwelt. Die Welt mal mit anderen Augen sehen und staunen wie der Horizont sich ploetzlich oeffnet und ganz weit wird. Dann muessen wir uns vielleicht nicht mehr jedes Wochenende betrinken oder mit unseren modernen Autos ueber die modernen Strassen brettern, um uns ganz falsch ein bisschen frei zu fuehlen…

Und ja, ich habe das Sitzklo wieder schaetzen gelernt, das Trinkwasser vom Hahn, zuverlaessige Stromversorgung rund um die Uhr, Zeitungen mit hohem Informationsgehalt und freier Meinungsaeusserung, die Schulbildung, die ausgezeichneten Schweizer Universitaeten und das duale Bildungssystem, die weltweit einzigartige Schweizer Demokratie und Foederalismus und nicht zuletzt auch die gut ausgebauten Strassen, der taegliche Blick auf den Alpstein, die restlichen wunderschoenen, kaum kontaminierten Schweizer Landschaften und auch die gut erhaltenen und gepflegten Altstaedte, die hochkaraetigen Museen und die sattgruenen, kurzgeschorenen Fussballrasen…
Ich koennte noch endlos weiterfahren: die vorteilhafte zentraleuropaeische Lage unseres Landes, die kollektive und individuelle Sicherheit, und so weiter…
Ja wir haben’s gut in der Schweiz, vorzueglich sogar, doch wenn wir daraus folgern, dass uns alle anderen Laender und Gesellschaften minder sind, machen wir einen grossen Fehler.

(Cuenca, Ecuador, 17/06/13)

Nepal im Vorbeigehen

Zur Abwechslung mal mehr Fotos und weniger Text zu meinem letzten Reiseziel, Nepal. Es ist ein extrem vielfaeltiges, farbenfrohes, faszienierendes und landschaftlich wunderschoenes Land. Ich glaube, nicht mal ein dickes Buch koennte diesem einzigartigen ‚melting pot‘ der Kulturen, religioesen Gebraeuche und Lebensweisen gerecht werden. Wie koennte ich diesem Land gerecht werden, der ich nur ausgewaehlte und ausgesprochen touristische Regionen besucht und mich nicht mehr als fuenf Wochen im Land aufgehalten habe?

Kurz vor dem Eintreten des Monsuns reiste ich wieder hab. Ich war also waehrend der waermsten bzw. heissesten Jahreszeit im Land, irrte viele Tage lang im Kathmandutal herum, mit seiner langen, grossen und bewegten Geschichte. Eigentlich sind es drei historische Staedte, welche sich ueber lange Zeit rivalisierten und Krieg fuehrten und im 18.Jh. von einem maechtigen Koenig mit einer grossen Armee allesamt erobert wurden: Lalitpur (oder Patan), Bhaktapur und eben Kathmandu selbst, das der heutigen Grossstadt ihren Namen gab: Ein Chaos von Glaubensrichtungen (wobei der Hindukult dominiert), Ethnien und Kasten, ein Chaos von Verkehrsunsicherheit und Laerm, launischer Stromversorgung und religioesen Ritualen wo man nur hinschaut, dazu eine starke Verschmutzung, in jeglicher Hinsicht, ziemlich aller Stadtbestandteile, wobei die Luftverschmutzung ekelhaft ist und den Alltag dominiert. Demokratisch gewaehlte, aber extrem korrupte Regierung und Parlamente etcetera etcetera…
Mittendrin leben erstaunlich liebenswerte und aufgestellte Menschen, welche Armut und Misere trotzen und sich nie, aber wirklich nie, zu schade sind fuer ein strahlendes Laecheln.

Das mal eine Groebstuebersicht vom Kathmandutal. Ich habe aber noch nicht geredet vom Nationalgericht Daal Bhat, von den ca. 30 verschiedenen Voelkern in Nepal, von den majestaetischen Bergen, fruchtbaren Feldern und tiefen Dschungeln. Von den tiefreligioesen Leuten, welche noch an lebende Goetter glauben und zu diesem Zweck ein unschuldiges kleines Maedchen seit ihrem dritten Lebensjahr in einem Tempel festhalten. Vom failed state, an welchem sich ‚Entwicklungshelfer‘ die Zaehne ausbeissen. (Und Einheimische sprechen schon von einer bevorstehenden Kapitulation an Indien im Sinne von Sikkim.)
Vieles ist also noch ein Raetsel und vom meisten weiss ich ueberhaupt nichts. Der Tourismusslogan von Nepal, once is not enough, scheint mir sehr treffend, denn so viel mehr gaebe es noch zu Entdecken im Vergleich zu meinem eher oberflaechlichen Sightseeing und einer kleinen achttaegigen Trekkingtour. Darum lasse ich nun die Bilder sprechen, moegen sie euren Geist anregen und eure Herzen erwaermen!

Japan Teil 2

Dass ich im Kloster ein ziemliches Schlafdefizit angehaeuft hatte, bemerkte ich erst, als ich wieder draussen war. In Kyoto, meiner naechsten Station, schlief ich waehrend sechs Tagen jeweils mindestens 10-12 Stunden. Wenn ich nicht schlief, hing ich in irgendwelchen Kaffeehaeusern rum und schaute dem Regen zu, oder ich ging zu Fuss alte Sachen anschauen. Davon gibt es naemlich jede Menge in dieser historischen Hauptstadt Japans.
Ueberhaupt habe ich in allen Staedten, wo ich war, fast nur Tempel, Pagoden, Schloesser und Schreine fotografiert. Naja…

Japan kann ziemlich teuer sein fuer einen arbeitslosen Studenten wie mich. So war ich sehr froh, dass ich nach Kyoto in Kobe Unterschlupf fand, bei einer fernen japanischen Verwandten meiner Mutter. Bei ihr konnte ich meine Kenntnisse der japanischen Kueche, die ich sehr mag, nochmals ausweiten und ausserdem meine erworbenen Kuenste in der Disziplin ‚Essen mit Staebchen‘ unter Beweis stellen. Am Wochende machten wir einen Ausflug in das japanische Landleben, was eine gute Abwechslung war, denn das Alltagsleben der meisten Japaner ist schon extrem stadtorientiert. Bei der Familie meiner Verwandten durfte ich in ihrem riesigen traditionell-japanischen Landhaus uebernachten und wurde richtiggehend verwoehnt mit weiteren kulinarischen Hoehenfluegen. Dazu gehoerten auch einige Speisen, die direkt aus Gemuese zubereitet wurden, das wir vorhin gemeinsam aus dem Garten und dem angrenzenden Wald ernteten. Dazu gehoerten z.B. das ‚udo‘-Gemuese und die Bambussprossen. Am Sonntag wurde ich von ihnen nach Himeji ausgefuehrt, eines der groessten und imposantesten japanischen Schloesser. Da koennen wir Schweizer gleich einpacken… Schade war nur, dass das riesige Hauptgebaeude gerade renoviert wird und daher von Abdeckungen vollstaendig eingehuellt war. Nach dem Mittagessen in einem Sushi-Restaurant gingen meine Verwandte und ich wieder zurueck nach Kobe. Und so durfte ich auch weiterhin von der grossen japanischen Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit ‚profitierien‘. Von Freunden wurden wir zu einem feinen Nachtessen eingeladen. Natuerlich gestaltete sich die Kommunikation nicht immer einfach, da die Englischkenntnisse vieler Japaner (ganz entgegen meiner anfaenglichen Erwartungen) sehr begrenzt sind. Zum Glueck war aber meine Verwandte als Uebersetzerin dabei und scheute sich keiner Muehen.

Da mir noch etwas Zeit bis zu meinem Flug nach Kathmandu blieb, entschied ich mich fuer eine Reise nach Hiroshima. Diese Stadt ist bekannt fuer ihre schoene natuerliche Umgebung aus Fluessen, Huegeln und Bergen, sowohl einer idyllischen Insel gleich vor der Kueste. Den meisten von euch ist der Name Hiroshima wohl nicht deswegen gelaeufig, sondern aus einem ganz anderen Grund: Hiroshima war die erste Stadt in der Geschichte der Menschheit, ueber welcher eine Atombombe abgeworfen wurde. Die zweite Stadt war Nagasaki, ebenfalls in Japan. Dies geschah im August 1945, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges.

Ehrlich gesagt, es ist ziemlich traurig sich das Ganze aus der Naehe anzuschauen. Es ist schlicht unvorstellbar, was diese Bombe am verhaengnisvollen 6. August 1945 in Hiroshima anrichtete. Man fragt sich, wie es moeglich ist, dass jemand ueberhaupt auf die Idee kommt, sowas gegen Menschen einzusetzen.
Ein paar Fakten: Beim Atombombenabwurf – 8 Uhr morgens an einem wolkenlosen Sommertag – starben 80’000 Menschen augenblicklich. 60’000 weitere Menschen starben bis Ende Jahr, groesstenteils aufgrund innerer Verletzungen durch nukleare Strahlung. Viele weitere Strahlenopfer starben viele Jahre danach ploetzlich und ohne aeussere Anzeichen.
Alle Gebaeude im Umkreis von 2km vom Explosionsort wurden durch die Druckwelle augenblicklich zerstoert. Der anschliessende Grossbrand brannte die ganze Stadt nieder.
Zahlen allein koennes das unvorstellbare Leid, das dadurch angerichtet wurde, nicht genuegend beschreiben. Man muss sich das mit eigenen Augen anschauen, die Opfer anhoeren, Berichte lesen, Fotos anschauen etc. Vor Ort im sogenannten Peace Memorial Museum von Hiroshima kann man sich selbst ein Bild machen. Das geht unter die Haut.
Hiroshima wurde als ‚Friedensstadt‘ wieder aufgebaut. Der Buergermeister schreibt nach jedem Atombombentest einen Protestbrief an die entsprechende Nation. Die Erben Hiroshimas wollen nicht nachlassen bis es keine Atombomben mehr gibt auf der Welt und stehen ein fuer Gewaltlosigkeit und weltweiten, andauernden Frieden. Ein weiser Mann sagte: „Weltfrieden muss aus innerem Frieden entstehen. Frieden ist nicht einfach die Absenz von Gewalt. Frieden ist, so denke ich, der Ausdruck von menschlichem Mitgefuehl.“

Den zweiten Tag in Hiroshima verbrachte ich dann nicht mehr im Museum (wie den ersten), nein, ich machte bei bestem Wetter einen Ausflug auf die Insel Miyajima, ihres Zeichens Weltkulturerbe und einer der drei „landschaftlich schoensten Orte“ in Japan. Das wuerde ich sogar bestaetigen, doch seht selbst auf den Bildern.
Den letzten Tag in Japan verbrachte ich dann wieder bei meiner Verwandten, wo ich meine Siebensachen zusammenpackte und auf zum Flughafen ging, wo ich in Richtung China abhob. Jedoch nur als Zwischenstopp fuer eine Nacht auf dem wahnsinnigen neuen Flughafen in Kunming, dann gings weiter nach Kathmandu.

Seither geniesse ich das kulturell und landschaftlich vielfaeltige Nepal. Nach fast zwei Wochen in Kathmandu und Umgebung bin ich seit gestern in Pokhara. Von hier aus fliege ich morgen, wenns mit dem Wetter passt, rein in den Himalaya, um noch ein bisschen zu wandern. Angesichts meiner angeschlagenen Knie und des schwachen Trainingsstandes bin ich eher skeptisch und werde mich in weniger steilen und hohen Gebieten aufhalten.
Hier in Pokhara hat die Regen- bzw. Monsunzeit schon begonnen, es giesst draussen gerade wie aus Kuebeln. Drueckt fuer mich die Daumen, dass ich in den Bergen einigermassen trocken davon komme!
Bergheil und bis zum naechsten Mal…

Links:
Wikipedia ueber die Atombombenabwuerfe
Japans Top Destinationen. Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich Nr. 1 bis 6 besucht habe 😉

Japan Teil 1 – Reise nach innen

44 Tage, oder sechs Wochen, verweilte ich in Japan. Was nach viel toent, ging erstaunlich schnell vorbei. Direkt aus Suedamerika kommend, war es erstmal ein Kulturschock, und zwar in allen Bereichen: Sprache, Wohlstand, Preisniveau, Mentalitaet der Leute, Japan als Inbegriff einer uebertechnologisierten Gesellschaft.

Reisen, das Sichbewegen von einem Ort zum andern, ist in Japan teuer. Doch was suchte ich eigentlich in Japan? Ich suchte nicht irgendwelche verrueckten Urwaldtrips oder Bergbesteigungen, ich suchte auch nicht die Begegnung mit aussergewoenlichen Leuten oder bescheidenem Fussvolk. Als Nicht-Japanisch-Sprecher und Lowbudget-Reisender waere ich dafuer definitiv am falschen Ort gewesen.
Ich suchte einen Kontrast (besser: eine Ergaenzung!) zu den bewegenden, ruehrenden, lebensfrohen, selbstvergessenen, abenteuerlichen, ausgefallenen und magischen; je nachdem nachdenklich, demuetig, traurig oder hoffnungsvoll stimmenden; schlicht und einfach sensationellen Erlebnissen, welche ich in Suedamerika machen durfte.
Nach so vielen Eindruecken erachtete ich es als noetig und richtig, den Fokus auch mal nach innen zu richten und zur Ruhe zu kommen. Also: „Tschuess Welt!“ und „Hallo Kloster!“ Zen-Kloster, um genau zu sein.

Es war weiterhin eine Reise, doch keine auessere Reise mit dem Fahrrad oder dem Bus, sondern eine Reise nach innen mit Meditation, Arbeit und streng geregeltem Alltag als ‚Transportmittel‘. Das ist die Reise des Zen, eine Reise, die weit ueber die Klostergrenzen hinaus geht. Ultimatives Ziel ist, die ungluecklich machenden Faktoren des Alltagslebens zu erkennen, zu beseitigen und dadurch dem Leben mehr Leichtigkeit, Sinn und Glueck zu verleihen.
Um einen Geschmack davon zu bekommen, wie Zen meine Wahrnehmung in kurzer Zeit verschaerfte, koennt ihr auch den vorherigen Artikel lesen. Ich verfasste ihn nur zwei Tage nachdem ich aus dem Kloster – nach 25 Tagen freiwilliger Isolation von der Aussenwelt – in das japanische Stadtleben zurueckgekehrt war. Zen hiess fuer mich damals: Bewusste, ungerichtete Wahrnehmung jedes Augenblickes im Hier und Jetzt, ohne das Verstaendnis fuer groessere Zusammenhaenge zu verlieren.

(Japan Teil 2 folgt in moeglichster Baelde. Ich schreibe aus Kathmandu. Strom- und Internetversorgung ist oft nicht gewaehrleistet)

Japan – das Land der aufgehenden Sonne

Heute frueh, als ich aus meinem Hostelzimmer trat, war es draussen schon hell. (Ich bin ein Spaetaufsteher.) Das Tageslicht fuellte den Flur voll aus. Trotzdem waren alle Lichter im Flur angeschaltet. Weit und breit war niemand zu sehen.
Frueher haette ich mich in einer solchen Situation geaergert. Oder vielleicht haette ich die brennenden Lichter gar nicht wahrenommen. Oder ich haette sie erkannt und ausgeschaltet, mich dabei aber etwas unwohl gefuehlt, im Sinne von „Was bin ich nur fuer ein Oekofreak?“.
Heute war es ganz anders. Kein Aerger, keine Schuldgefuehle. Ich fuehlte Erstaunen. Erstaunen und Unverstaendnis. „Wie ist das ueberhaupt moeglich, dass jemand vergisst die Lichter auszuschalten?“
Wissen die denn nicht, woher die Energie kommt? Wissen die nicht, was alles in Kauf genommen wird, um elektrischen Strom herzustellen?
Immerhin befinden wir uns in Japan, nach dem GAU vor Jahren kaempfen sie in Fukushima immer noch mit der radioaktiven Strahlung.
Ich dachte also: Ist es nicht unerhoert, dass wir keinen Bezug mehr herstellen koennen zwischen unseren Handlungen und deren Zusammenhang mit den Geschehnissen in der Welt?
Wir sind entbunden, leben in der Blase unseres alltaeglichen Lebens. In dieser Blase stimmt vielleicht alles fuer uns, wir fuehlen uns gut, unverletzlich, geborgen. Die Blase ist aber eine Illusion wie ein schoener Traum, irgendwann platzt sie.
Dann haben wir die Quittung: Wir werden zurueckgeholt in die nackte, ungeschminkte Realitaet.
Wir sagen dann: „Oh, eine Katastrophe, ein Unfall, ein Unglueck!“ Es toent dann so, als sei etwas passiert, das wir nicht kontrollieren koennen. Als haette uns die Natur einen Streich gespielt.

Doch so ist es nicht.

Das ‚Unglueck‘, der ‚Unfall‘ ist nur die logische Folge einer Entwicklung, ist das Symptom der Krankheit, die schon lange vorher da war.
Die Krankheit, das ist unsere eigene Ignoranz, der Verlust eines Bewusstseins fuer unsere Handlungen in einem groesseren Zusammenhang.
Wenn wir also das Licht anschalten, schalten wir nicht nur einfach das Licht an. Wir senden ein klares Signal an unsere Umwelt: „Hier wird Licht gebraucht. Produziert Strom bitte! Baut AKW’s, Staudaemme, Windraeder!“ Wenn wir eine neue Regenjacke kauft, kaufen wir nicht einfach eine neue Regenjacke. Wir senden das Signal: „Hier brauchen wir Regenjacken und wir zahlen gerne mit Geld dafuer. Es ist uns egal ob bei der Produktion der Jacke Kinderarbeit im Spiel war oder giftige Chemikalien in einen Fluss geleitet wurden.“ (Oder hat jemand von euch schon mal den Verkaeufer gefragt oder die Produktionsfirma angerufen?)

Und so leben wir weiter in unserer Blase, reich oder arm, gluecklich oder ungluecklich, gestresst oder gelassen, dick oder duenn, aber alle mit der gleichen Krankheit: Wir haben uns entkoppelt von der Welt, die uns taeglich, sichtbar oder unsichtbar, umgibt. Wir koennen keine Zusammenhaenge mehr herstellen. Wir tappen hilfslos im Dunkeln. Bis die Blase ein naechstes Mal platzt und ein ‚Unglueck‘ uns zurueck in die Realitaet holt.

Spaetestens dann sollte uns eigentlich ein Licht aufgehen.