Spannendes Bolivien

Hoechste Zeit, wiedermal zusammenzufassen, was in den letzten Wochen alles so lief. Ueber die Festtage habt ihr sicher genug Zeit, diesen Kaese zu lesen…
Also, was war los? Nach Bariloche nahm ich eine weitere, ca. 30-stuendige Busfahrt nach Mendoza auf mich, wo ich drei wenig ereignisreiche Tage verbrachte. Mein Knie war am Arsch (symbolisch gemeint), deshalb lief ich durch die modern anmutende Stadt ohne koloniale Gebaeude. Diese hatte es naemlich vor 150 Jahren bei einem Erdbeben weggewischt. An einem Tag ging ich dann noch in ein Thermalbad in der Naehe, was mir auch sehr gut tat. Dann entschied ich, die Grenze zurueck nach Chile zu ueberqueren, da ich mir meine Zukunft in Argentinien angesichts der hohen Busfahrpreise eher schwarz ausmalte (bzw. rot).
Ueber Santiago fuhr ich nach La Serena. Schoene Sandstraende zeigen diese Stadt aus, dazu die Naehe zum Valle de Elqui (Elqui-Tal), wo viele verschiedenen Observatorien stehen. Das ist gar nicht so verkehrt angesichts der Regenarmut und Wolkenlosigkeit in dieser Wuestenregion. Als weiteres Kennzeichen werden dort die Trauben fuer das chilenische Nationalgetraenk Pisco angebaut. Die Chilenen und die Peruaner (dort ebenfalls Nationalgetraenk) streiten sich uebrigens unaufhoerlich, wer dieses Getraenk erfunden hat und wo es urspruenglich herkommt. Die Peruaner haben da einen Vorteil, denn die Stadt Pisco liegt im Sueden Perus. Dieser Vorteil ging allerdings schon in den 1920er-Jahren ‚verloren‘, als der damalige chilenische Praesident ein kleines Dorf im Elqui-Tal kurzerhand in ‚Pisco Elqui‘ umtaufen liess.
Wie dem auch sei, Pisco Sour schmeckt hervorragend. Es wird gemixt aus dem weissen Traubenwein Pisco, Zitronensaft, Zucker und etwas Eiweiss fuer den Schaum.

Eine ungefaehr 15-stuendige Busfahrt fuehrte mich dann direkt in die chilenische Atacamawueste, anscheinend die trockenste Wueste auf Erden. Ich legte in Calama einen Zwischenstopp ein, um die nahegelegene Kupfermine Chuquicamata zu besuchen. Es ist die groesste Tagbaumine der Erde, pro Jahr werden sagenhafte 630’000 Tonnen Kupfer extrahiert. Die Dimensionen sind ziemlich verrueckt, dazu ein paar Zahlen:
Groesstes „Loch“ der Mine: 5km lang, 3km breit, 1km tief
Funktionszeit: Seit Anfang 20.Jh. und voraussichtlich noch bis 2050
Preis eines Trucks, der das Material hinausfaehrt: 5 Mio. US-Dollar (4 Mio. Materialkosten, 1 Mio. fuers Zusammenbauen)
Ladekapazitaet der groessten Trucks, Marke Liebherr: 420 Tonnen
Dieselverbrauch der Trucks: 3.5l pro Minute
Wasserverbrauch der Mine: 2000l pro Sekunde, wobei das Wasser ca. 6mal rezikliert wird.

Weil das Loch immer tiefer wird, verbrauchen die Trucks immer mehr Diesel, um das Rohmaterial herauszutransportieren. Deshalb wird in fuenf Jahren auf Untertagebau umgestellt, die Trucks werden durch Foerderbaender ersetzt. Der allegroesste Teil des extrahierten Kupfers wird an die neue wirtschaftliche Grossmacht China verkauft.
Die Mine ist staatlich. Der Betrieb der Mine, alle Lohn- und Materialkosten werden durch den Verkauf von Nebenprodukten des Abbaus finanziert. Das heisst: Der Verkauferloes aus dem Kupfer ist 100prozentig Reingewinn. Kein Wunder, macht Kupfer mehr als 40Prozent des BIP Chiles aus.

Zum Glueck fand ich am Abend gleichen Tages noch einen Bus in das deutlich angenehmere San Pedro de Atacama, denn Calama ist schon ein ziemliches Drecksloch… Jaja, in S.P. de Atacama machte ich dann halt die so ueblichen Touristenfahrten, waehrenddessen ich meine Weiterreise nach Bolivien plante. Es war schoen, es war speziell, es war sehr touristisch. Bizarre Wuestenlandschaften, speiende Geysire auf ueber 4000m ueber Meer usw. Nebenbei erfuhr ich, dass zwei Tage danach im benachbarten bolivianischen Nationalpark ein Streik beginnen wuerde. Das hiess, ich musste moeglichst schnell jemanden finden, der mich vorher nach Uyuni karrt.
Das war gar nicht so einfach, aber auch nicht unmoeglich: Ein bisschen Reisestress inbegriffen: 21 Uhr: Zurueck vom Valle de la luna. 21.10 Uhr: Tour buchen. 21.15 Geld im Hostel holen. 21.30: die restlichen chilenischen Pesos in Bolivianos wechseln. 21.45 Uhr: Snacks und Fruechte einkaufen. 21.50 Uhr: Nacht essen. 23 Uhr: Alles packen und bereitstellen. 24 Uhr: Duschen und Schlafengehen. 3.40 Uhr: Aufstehen, auf zur Geysirtour. 12.30 Uhr: zurueck von der Geysirtour. 13 Uhr: Empanada essen, Rucksaecke im Hostel holen. 13.20 Uhr: Es geht los Richtung Uyuni. 15 Uhr: Ueberquerung der Grenze nach Bolivien, im Jeep zusammen mit vier neuen Freunden: Zwei Schweizer und zwei Englaender/-innen.
So cruisten wir mit unserem bolivianischen Fahrer Alfredo querfeldein durch Wueste, Steine, Felsen, 6000er-Vulkane und bunte Seen voll von Flamingos, und am Schluss ueber den groessten Salzsee der Erde, den Salar de Uyuni. Es war schoen, wenn auch ein bisschen anstrengend und mit Kopfschmerzen verbunden: Die erste Nacht verbrachten wir auf einer Hoehe von knapp 5000m ueber Meer…
Im etwas gespenstischen Uyuni verbrachten wir eine Nacht, dann ging es per Bus weiter ins legendaere Potosi. Auf 4070m gelegen ist Potosi die hoechste Stadt auf der Erde, dazu mit einer bewegten Geschichte. Nach der Eroberung durch die Spanier stieg Potosi dank seiner immensen Silbervorkommen (man sagt, 48000 Tonnen seien schon aus dem ueber der Stadt thronenden Berg Cerro rico geholt worden) schnell zur groessten und reichsten Stadt des spanischen Reiches in Suedamerika auf. Fast saemtliche spanischen Silbermuenzen wurden waehrend fast drei Jahrhunderten (bis zur boliv. Unabhaengigkeit) dort fabriziert und man sagt das Silber sei in solchen Mengen vorhanden gewesen, dass es ohne Probleme im Stuhl der Einwohner nachzuweisen war…
Geschaetzte sieben bis acht Millionen Menschen (vorwiegend indigene und afrikanische Sklaven) liessen in den zahlreichen Minen des Cerro rico ihr Leben. Es wird auch heute noch Silber und andere Minerale abgebaut, und die Arbeitsbedingungen sind kaum besser als zu Kolonialzeiten. Wer in der Mine beginnt zu arbeiten, hat normalerweise noch 10-30 Jahre zu leben. Die Haupttodesursache ist die Verpestung der Lungen durch giftige Gase, nebst Zusammenbruechen der ungenuegend gesicherten Stollen. Niemand weiss genau, wieviele Minen im Berg sind und wohin sie fuehren; es gibt keine Karten davon.

Die Minenarbeiter arbeiten in Kooperativen, d.h. alle werden an den Gewinnen beteiligt. Die Leute werden teilweise durchaus reich, wenn sie Glueck haben und auf eine neue Silberader stossen. In schlechteren Jahren bleibt entsprechend weniger uebrig zum leben. Letztes Jahr war anscheinend ein ziemlich gutes. Wir Touristen wurden von ein paar ehemaligen mineros (Minenarbeitern) zu der Hochzeit eines verwandten mineros eingeladen. Die Hochzeit dauerte drei Tage und wir durften am zweiten Tag bzw. Nacht beiwohnen. Das Fest war riesig und die ganze Hochzeit kostete ca. 10’000 US-Dollar, wie uns mitgeteilt wurde. Es traten zwei professionelle und eine Hobbyband auf, jeder Gast bekam einen guten Teller voll zu essen, und Bier, Champagner, Cocktails und Shots gabs zur Genuege fuer alle. Wir hielten bis 5.30 morgens durch, tanzten, redeten und sangen. Der Kater am naechsten Tag war entsprechend (auf 4000m ue. M.), doch wir waren uns einig, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat.
Die Fahrt nach Sucre traten wir an Heiligabend im Taxi an. Es war zwar etwas teurer als ein Bus, doch angesichts des Zustands meines Magens zahlte sich die Entscheidung aus. Ich teilte dem Fahrer mit, bitte in den Kurven sanft zu fahren, und zwischendurch hielten wir an, um mal frische Luft zu schnappen.
Die Landschaft im bolivianischen altiplano (Hochebene) finde ich bis jetzt bombastisch, unglaublich schoen und die traditionellen Haueser mit farbenpraechtig gekleideten Indios passen perfekt hinein. Nur die grosse Armut macht phasenweise fassungslos. Viele Indigene mussten in den letzten Jahren vom Land in die Stadt fluechten, da Duerren das auf Landwirtschaft basierende Leben verunmoeglichten. Entsprechend trifft man hier in Sucre eine grosse Zahl Obdachloser an, Leute, die von der Hand in den Mund leben und ihr Elend durch das Kauen der allgegenwaertigen Kokablaetter ertraeglich machen.
Die herrliche, weisse Altstadt Sucres zeugt von vergangenen, besseren Zeiten.

An Heiligabend assen wir in einem deutschen Kulturzentrum traditionelle bolivianische Weihnachtsmahlzeit (entsprechend meiner Verfassung ohne Alkohol) und besuchten danach aus Neugierde die Mitternachtsfeierlichkeiten und anschliessende Weihnachtsmesse. Die Jungen tanzten leidenschaftlich auf der Strasse, und viele Leute brachten ein Koerblein mit eingelegtem Christkindlein mit, um es vom Bischof segnen zu lassen. Das ist anscheinend der Gebrauch hier. Die Messe unterschied sich uebrigens kaum von einer katholischen Weihnachtsmesse in der Schweiz. Ich wuerde sogar sagen, dass es hier noch etwas ernster zugeht als bei uns.

Am Weihnachtstag besuchten wir noch einen Dinospuren-Park und rundeten den Abend mit einem feinen Essen in einem guten bolivianischen Restaurant ab. Man soll sich ja zwischendurch auch mal was goennen. Das gilt uebrigens auch fuer all die bettelnden Kinder und Obdachlose, denen je nach Situation ein Fuenf-Boliviano-Stueck zugesteckt oder die Reste vom soeben beendigten Mittagessen ueberreicht wird. Es geht dabei viel weniger um die Stillung eines schlechten Gewissens als um die kurzfristige Linderung des beobachteten Elends einzelner Menschen in der Immer-noch-Hauptstadt Boliviens.
Mehr Fotos von Sucre gibts, sobald die Uebertragung auf den Computer wieder moeglich ist. Ihr muesst euch also vorerst mit den Bildern aus seltsamen Wuesten Salzseen begnuegen. Die Potosí- und Hochzeitsbilder sind leider auch noch nicht vorhanden, werden aber baldmoeglichst nachgeliefert!
Vielen Dank an alle Leser fuers Interesse und vorerst wuensche ich euch erholsame Zwischen-Festtage! Uebrigens hat jetzt in Bolivien definitiv die Regenzeit eingesetzt. Naechster Halt: La Paz.

Advertisements

Kolumbien?

Nach drei Monaten in Kolumbien ist es mir kaum moeglich eine persoenliche, abschliessende Uebersicht zu geben, wie das vielleicht bei Ecuador noch moeglich war (sh. hier). Ecuador ist um einige Groessenordnungen kleiner und uebersichtlicher als Kolumbien und ich verbrachte dort die doppelte Zeit, nicht nur reisend sondern auch arbeitend. Diese Art des Kennenlernens eines Landes fand ich wunderbar. Man taucht viel mehr ein in den Alltag der Leute und die Kultur des Landes, kann dieses viel mehr greifen und be-greifen. Das war in Kolumbien schon weniger der Fall. Ich lernte das Land eher durch die touristische Brille kennen und grosse Teile sind kaum zu bereisen, da gefaehrlich. Nichtsdestotrotz interessierte ich mich auch fuer Hintergruende, fragte und hinter-fragte, war oft begeistert und stand ebenso oft ratlos da. Ich begriff vieles nicht, verstand nicht warum. Habe kaum Erklaerungen oder Begruendungen bereit fuer die katastrophale Situation des Landes: Korruption auf allen Ebenen, ein nicht enden wollender Krieg zwischen dem Staat, der FARC und den Paramilitaers. Kolumbien ist das Land mit am zweitmeisten Binnenfluechtlingen (nach Sudan). Die soziale Schere geht sehr weit auf, es gibt eine breite reiche Oberklasse, die sich in Einkaufszentren american-style vergnuegt und sich mit Schoenheitschirurgie ‚verbessert‘. Daneben vor allem in den Staedten unglaublich viele Arme und hohe Kriminalitaet. Ein katastrophales Bildungssystem. Der Ausweg aus dem Elend wird zu oft im Drogenhandel und -anbau gesucht. Vertriebene lassen sich in den Armenvierteln nieder, treffen dort auf Faustrecht statt Polizei, Schiessereien statt Arbeit.

Auf der anderen Seite: Eine ernome Lebenslust im ganzen Land, das froehliche Zusammenleben allermoeglichen Hautfarben. Es wird gearbeitet, um am Wochenende zu tanzen, zu feiern, zu singen und zu lachen. Zwischen den Wochendenden wird ebenfalls getanzt, gefeiert, gesungen und gelacht, geholfen und gewartet, getroffen, gefreut und getrunken. Diese Stimmung wirkt ansteckend, und macht gluecklich. Niemand ist sich fuer ein Laecheln zu schade, man interessiert sich aufrichtig fuer sein Gegenueber, freut sich mit ihm, leidet mit ihm.
Die kulturelle Vielfalt ist oft verwirrend, es gibt Dutzende ganz verschiedene Musikstile, Taenze, Sprachen und Traditionen. Die Klimazonen unterscheiden sich genau so stark wie die Hautfarben, ebenso die Staedte und die Doerfer, die verschneiten Berge, die herrlichen Straende, die tiefen Urwaelder und die gandenlosen Wuesten. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind Kolumbien.

Kolumbien ist ein Land der krassen Gegensaetze, das definitiv niemanden kalt, doch viele (und da zaehle ich mich dazu) ziemlich ratlos zurueck laesst.
Was bleibt, sind tiefe Eindruecke, Impressionen, die lange, vielleicht ein Leben lang haften bleiben werden. Und die Hoffnung ist da, dass ich irgendwann, irgendwann vielleicht, etwas mehr verstehen werde von diesem wahrhaft wunderbaren Land. ¡Viva Colombia!

 

Lange unterwegs, im Sueden

Die Zeit geht schnell um! Ich bin gerade ein bisschen erschrocken, als ich vorhin feststellte, dass ich schon seit 24 Tagen in Chile und Argentinien rumtingle. Die riesigen Distanzen in diesen beiden Laendern sorgen dafuer, dass ich ein Grossteil dieser Zeit in Transportmitteln verbrachte: Vier Tage auf einer Faehre nach Patagonien und etliche Tage (und vor allem Naechte) in Bussen. Busfahrten von 10-30 Stunden sind hier keine Ausnahme, wenn man etwas vorwaerts kommen will. Ich kann es mir hier nicht mehr – wie noch in Kolumbien – leisten, von der einen zur naechsten Stadt zu reisen und ueberall mehrere Tage zu verbringen. Einerseits ist auch meine Reisezeit nicht unendlich (auch wenn das einige vielleicht meinen…), andererseits sind in diesen zwei suedlichsten Laendern Suedamerikas die Preise ziemlich gepfeffert. Eine Busfahrt von 2000km kostet umgerechnet schnell 150 CHF oder mehr.
Da bin ich froh, auf die Gastfreundlichkeit der Einheimischen zum Uebernachten zaehlen zu koennen, oder auch von Mitreisenden, die mir ihr Zelt zum Schlafen zur Verfuegung stellen.

In den letzten zwei bis drei Wochen habe ich ein paar Highlights in Patagonien abgeklappert. Nach der angenehmen, aber wenig aufregenden Hauptstadt Santiago de Chile verbrachte ich zwei weitere Tage in Valdivia und einen in Puerto Varas. Dann ging es mit einer passagierfaehigen Faehre (die Einheimischen nennen es auch ‚Gringoboot‘) in vier Tagen durch die patagonischen Fjorde bis nach Puerto Natales. Wir sahen Wale, Delfine, viele Voegel und sonstiges Meeresgetier, dazu die vergletscherten Berge von weitem und sogar ein kalbender Gletscher von nahem (der Kapitaen nahm dafuer extra einen kleinen Umweg in Kauf). Das war auf jeden Fall eine lohnende Erfahrung. Eindruecklich waren auch die Besuche auf der Bruecke des Schiffes, welche fuer Passagiere fast jederzeit offen war. Da konnte man dem Kapitaen und seinen Matrosen von nahem bei der Arbeit zuschauen und staunen. Trotz aller moeglichen modernen Instrumente und Geraete werden weiterhin gedruckte Land- und Seekarten, Zirkel und Bleistift zur Hilfe genommen. Ausserdem war der Kapitaen ein absoluter Enthusiast und antwortete einem bereitwillig alle moeglichen Fragen zu seiner Arbeit und darueber hinaus.
Am letzten Tag, als wir eigentlich am Zielhafen anlegen sollte, zog ein richtig starker antarktischer Sturm auf, mit Windspitzen ueber 120 km/h. Das Schiff stellte sich da schon unangenehm schraeg, und als es daran ging den Kahn durch eine 80m breite See-Enge zu zirkeln, wurde es heikel und somit die Bruecke fuer Passagiere geschlossen. In Puerto Natales fehlte dann wegen des Sturms die Anlegebewillgung weshalb wir einen weiteren halben Tag und eine Nacht wartend auf dem Schiff verbrachten. War aber trotzdem angenehm, schliesslich bekamen wir weiterhin zu Essen und zu Trinken.
Ach ja, Fotos von der Schiffsreise gibt es keine, ich goennte meinem rechten Zeigefinger eine Erholungspause. (Beziehungsweise ich verlor das Aufladekabel, wofuer ich noch immer keinen Ersatz gefunden habe…)

Da man sich in vier Tagen auf dem Schiff kaum vor den anderen Passagieren verstecken kann, schliffen alle eifrig an Plaenen, um den beruehmtesten Nationalpark Patagoniens zu besuchen, den Torres del Paine. Ich mischte dabei auch munter mit und so bildete sich eine kleine Gruppe. Ein 60-jaehriger Deutscher (der mir ein Platz in seinem Zelt zur Verfuegung stellte), ein ueber 50-jaehriger Australier, eine ca. 40-jaehrige Oesterreicherin, ein 30-jaehriger Ami aus Alaska, und… ich. Kaum in Puerto Natales angekommen, wurde Essen eingekauft, fehlende Ausruestung besorgt, Karten und Busfahrplaene studiert. Einen Tag spaeter ging es los: Der Plan war im Kern, den Nationalpark in ca. acht Tagen mehr oder weniger zu umrunden. Dafuer musste eine grosse Menge Nahrung eingekauft werden, was den Rucksack entsprechend schwerer machte. Dazu trug ich drei Bierdosen mit, was sich spaeter wohl als Fehler herausstellen sollte, sowie etwas zu viele Klamotten.
Der erste Tag ging noch einigermassen gut, obwohl der Rucksack drueckte und viele Hoehenmeter ueberwunden werden mussten. Am zweiten mussten mir dann vom Campingplatz wieder ins Tal runter und schon… hatte ich eine Entzuendung am Knie. Vieleicht war das Gewicht zu viel, vielleicht waren meine Muskeln zu wenig trainiert (oder beides) oder es war einfach Pech. Jedenfalls quaelte ich mich in den darauffolgenden zwei Tagen (unterstuetzt von Voltarencreme und Schmerzpillen) zu weiteren Campingplaetzen, wo ich schlussendlich die Tour abbrach. Bis zu einer Huette am See ging es noch, dort trank ich zum Trost ein paar Pisco Sour (das Nationalgetraenk Chiles) und ging per Boot und Bus zurueck nach P. Natales. Ich war uebrigens nicht der erste, der die Gruppe verliess: der Alaskaner verduftete schon am ersten Abend ziemlich stillos und der Australier gab am zweiten Tag auf. Trotzdem wars wunderschoen (siehe Fotos) und anstatt zu resignieren widmete ich den weiteren Reiseplaenen: nach Argentinien sollte es gehen!
Das naechste Riesenhighlight lag naemlich gleich um die Ecke: Laecherliche fuenf Stunden Busfahrt trennten mich von El Calafate im argentinischen Patagonien, wo ich das Lager aufschlug. Am Tag darauf ging es in zwei Stunden Busfahrt (noch laecherlicher) zum majestaetischen Perito Moreno – Gletscher, einer der ganz wenigen weltweit, die immer noch wachsen und die Wissenschaftler vor Raetsel stellen. (Die globale Erwaermung laesst sich dadurch jedoch in keiner Weise herunterspielen, sie zeichnet sich naemlich weiterhin in haarstraeubender Geschwindigkeit ab.)
Zurueck zum Gletscher: Man kann sich stundenlang blendend damit unterhalten, in sicherer Distanz zu ihm hin und her zu gehen, ihn zu betrachten, zu bewundern oder anzubeten (was auch immer…). Im Minutentakt fallen kleinere oder groessere Eisbloecke hinunter, es knackt und kracht staendig.
Ein starker Strom verbindet die linke mit der rechten Seite des Gletschersees. Dieser fliesst unter engen Gletscherbruecken hindurch, welche mit der Zeit immer groesser werden. Der Gletscher stoesst weiter vor und schlussendlich brechen die Bruecken zusammen, das passiert alle paar Jahre und zieht jeweils tausende Touristen an. Dann werden die zwei See-Seiten wieder durch den Gletscher getrennt und das Wasser steigt auf der einen Seite um Dutzende Meter an, bis der Druck zu hoch wird und von Neuem Tunnels durchgebrochen werden. Das ganze ist also zyklisch und wiederholt sich alle paar Jahre. Bis der Gletscher vielleicht nicht mehr vorstoesst… Mehr Infos dazu gibt es hier:

In meinem Hostel gab es am Abend argentinische Grillade, was den Tag natuerlich wunderbar abrundete. Wegen meiner fortbestehenden Knie-Entzuendung (wird noch ’ne Weile sein), entschied ich mich, aus dem suedlichen und wanderfreundlichen Patagonien zu verabschieden und Richtung noerdliches Patagonien zu ‚bussen‘.
Bariloche: Kleinstaedtchen, ziemlich touristisch, liegt mitten in einem Nationalpark. Und wieder hatte ich Wetterglueck. Zwei wunderschoene Tage mit genialen Aussichten. Die Region erinnert mit ihren vielen Seen, Waeldern, Bergen und Gletschern sehr an die Schweiz, darum erstaunt es nicht, dass viele Schweizer Fluechtlinge (ja, das gab’s !) sich im 19. Jahrhundert da niederliessen. Vielleicht ist es sogar schoener als die Schweiz, doch da scheiden sich die Gemueter… Beweisfotos gibt es leider noch keine, da meine Kamera wie schon erwaehnt ohne Batterie bleibt.

Seit heute frueh bin ich nun in Mendoza so nahe an den riesigen Gebirgen der Anden und doch so weit entfernt, da ich mit meinem laedierten Knie wohl in der Stadt bleiben werde.
Ihr hoert bald wieder von mir! Tschuess