Reisen… wofuer?

Indem wir Reisen, sehen wir unsere Welt, unser Leben aus einem anderen Blickwinkel. Wir lernen, dass unsere Kultur und unsere Herkunft nur eine von unendlich vielen moeglichen und unmoeglichen Lebensentwuerfen ist. Dass was fuer uns selbstverstaendlich ist, andere nicht kennen oder sich nur wuenschen koennen –  und umgekehrt! Indem wir weiter entdecken, wird uns immer und immer wieder die eigene Ignoranz vor Augen gefuehrt und vor lauter Staunen ueber die Wunder der Welt werden wir ploetzlich ganz feierlich und demuetig.
Manchmal realisieren wir, dass unsere eigene Multioptionsgesellschaft vielleicht doch nicht ganz so viele Optionen fuer uns bereithaelt, solange wir nicht ausbrechen aus dem Einheitsbrei des Alltagslebens. Ja, die Moeglichkeiten sind da, doch was bringt es uns, wenn wir sie nicht nutzen? Wenn wir uns zu fest einengen lassen von Konformitaetsdrang und Einfalt? Wie stellen wir fest, dass es vielleicht ganz gut waere mal ein bisschen loszulassen von unserem materiellen Luxusleben? Wir haben so viel Freiheit wie noch nie und entscheiden uns doch fuer ein ewiges 8- bis 5Uhr-Arbeitsleben und 7- bis 10Uhr-Fernsehabende. Haben viel Geld und wenig Ahnung, was mir Sinnvolles anfangen koennten damit. Viel Bildung und wenig Weisheit, diese auch mal fuer eine kritische Betrachtung unserer Umwelt zu nutzen.
Das koennten wir, unter anderem, dadurch erreichen, indem wir mal ein bisschen Abstand gewinnen, ein bisschen aussteigen, ein bisschen uns inspirieren lassen von einer neuen Umwelt. Die Welt mal mit anderen Augen sehen und staunen wie der Horizont sich ploetzlich oeffnet und ganz weit wird. Dann muessen wir uns vielleicht nicht mehr jedes Wochenende betrinken oder mit unseren modernen Autos ueber die modernen Strassen brettern, um uns ganz falsch ein bisschen frei zu fuehlen…

Und ja, ich habe das Sitzklo wieder schaetzen gelernt, das Trinkwasser vom Hahn, zuverlaessige Stromversorgung rund um die Uhr, Zeitungen mit hohem Informationsgehalt und freier Meinungsaeusserung, die Schulbildung, die ausgezeichneten Schweizer Universitaeten und das duale Bildungssystem, die weltweit einzigartige Schweizer Demokratie und Foederalismus und nicht zuletzt auch die gut ausgebauten Strassen, der taegliche Blick auf den Alpstein, die restlichen wunderschoenen, kaum kontaminierten Schweizer Landschaften und auch die gut erhaltenen und gepflegten Altstaedte, die hochkaraetigen Museen und die sattgruenen, kurzgeschorenen Fussballrasen…
Ich koennte noch endlos weiterfahren: die vorteilhafte zentraleuropaeische Lage unseres Landes, die kollektive und individuelle Sicherheit, und so weiter…
Ja wir haben’s gut in der Schweiz, vorzueglich sogar, doch wenn wir daraus folgern, dass uns alle anderen Laender und Gesellschaften minder sind, machen wir einen grossen Fehler.

(Cuenca, Ecuador, 17/06/13)

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