Chronik einer Vergiftung

Zur Aufloesung moeglicher Verwirrung, und damit das auch dokumentiert ist, hier eine kurze Zusammenfassung der Krankheit, welche ich im feuchten Osten Ecuadors aufgelesen hatte:

Als wir zurueck vom Yasuní waren, machten wir einen dreistuendigen Zwischenhalt in Coca, bevor wir den Rueckweg nach Cuenca (ueber Tena) antreten sollten. Waehrend dieser Zeit ass ich den verhaengnisvollen, gerade mal geniessbaren Hamburger eines Fastfood-Restaurants (keine der einschlaegig bekannten Ketten). Man muss mit grosser Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das Fleisch dieses Hamburgers verdorben war.
Davon wussten wir zu der Zeit natuerlich noch nichts. In Tena quartierten wir uns fuer eine Nacht ein, bevor es am darauffolgenden Tag zurueck nach Cuenca gehen sollte. In der Nacht bekam ich ploetzlich Fieber und Kopfschmerzen. Ich nahm ein Dafalgan und am Morgen ging es mir wieder besser. Schon waehrend des Vormittags plagten mich dann aber Schwaechegefuehle, wieder Fieber und Kopfschmerzen. Wir beschlossen Bettruhe als Therapie, d.h. eine weitere Nacht in Tena zu bleiben. Schon am Abend hatte ich dann aber 39.7 Grad Fieber. Wir mussten zum Arzt. Er checkte meine Symptome, mass nochmals Fieber (39.9) und stellte nach einem Bluttest seine Diagnose: Denguefieber, eine Tropenkrankheit, wo man sich die ersten 4-5 Tage miserabel fuehlt und nach 8-12 Tagen der ganze Spuk normalerweise glimpflich vorbei geht. Dengue kann man aber erst nach vier Tagen Krankheit definitiv im Blut nachweisen. Aufgrund seiner Erfahrung glaubten wir seiner Diagnose. Zu meiner Begeisterung erhielt ich eine fiebersenkende Spritze, die mich fuer fuenf Stunden von den schlimmsten Symptomen befreite.
Appetit hatte ich keinen und mein Magen reagierte auf die meisten Lebensmittel mit Rueckgabe. Wir entschieden, dass ich zwecks besserer Behandlung und Krankheitsverlauf am naechsten Tag in eine groessere Stadt Ecuadors reisen sollte. Gesagt, getan: Schnellbus nach Quito (3h), von dort Flug nach Cuenca (1h). Zuvor ging ich in Tena nochmals zum Arzt, um eine fiebersenkende Spritze zu holen. Er warnte uns, dass das die letzte Spritze dieser Arzt sei, sonst bekaeme ich noch einen lebensgefaehrlichen haemorrhagischen Verlauf mit Blutungen. Leider liess die Wirkung schon im Flugzeug nach, die Reise war so ein Horror.

Da ich in Cuenca dann Ibuprofen (kann ebenfalls Blutungen verursachen) mit Dafalgan verwechselte, sank das Fieber so stark, dass ich gar nicht mehr glaubwuerdig in die Notfallaufnahme einer Klinik konnte. Wir warteten also bis zum naechsten Tag, bis das Fieber erwartungsgemaess wieder gestiegen war. Die Notaufnahme war nicht sehr angenehm, nach der Untersuchung musste ich mehr als eine Stunde auf dem ‚Schragen‘ warten, bis ich Schmerzlinderung erhielt und in ein Zimmer interniert wurde. Diagnose: Typhus. Das stimmte mich schon von Anfang an skeptisch, schliesslich war ich gegen Typhus geimpft. Auf alle Faelle: Kein Dengue.
Diese Diagnose war aber keine Erleichterung. Ich sprach nicht auf die Antibiotika gegen Typhus an und mit jeder Stunde ging es mir miserabler. Zur Bestaetigung der Diagnose wurde mir regelmaessig Blut entnommen. Am Samstag (vierter Tag der Krankheit) ging es mir dann schon so schlecht, dass ich mich mehr tot als lebendig fuehlte.
Ausserdem erhielt ich eine neue Diagnose: kein Typhus, sondern ein Virus in Kombination mit einer Gastroenteritis (Magendarmgrippe). Die weissen Blutkoerperchen waren besorgniserregend geschwunden, mein vom Virus geschwaechtes Immunsystem schien nicht faehig, die Krankheit zu besiegen. Der behandelnde Arzt sollte fuenf Tage danach zugeben, dass die Lage in der Tat „sehr gefaehrlich“ war.
Das merkte ich natuerlich auch selbst. Familie in der Schweiz wurde alarmiert und die Rega kontaktiert fuer den Fall, dass es so weiterginge und man mich ‚heimholen‘ muesste. So weit kam es zum Glueck nicht. Auf die neu verordnete Medikation sprach ich sehr gut an und am Sonntag ging es mir schon wieder so gut, dass mir fuer Montag die Entlassung aus dem Spital versprochen wurde. So war es denn auch und ich war froh, diesen ‚grauen Kaefig‘ verlassen zu duerfen. Sie mussten mir naemlich schon Beruhigungsmittel spritzen, da ich mich so eingeengt fuellte und in meinem Zimmer und in der Klinik in Kreisen lief. Ich konnte mich nicht nicht bewegen. So ging das zwei Tage lang, ein furchtbares Gefuehl, so aehnlich stelle ich mir Folter vor. Zum Glueck liess das allmaehlich nach, nachdem ich die Klinik verlassen hatte.

Zusammenfassung:
Laut Arzt hatte ich also einen unbekannten Virus, der meinen Koerper schwaechte. Waehrend dieser Zeit ass ich eine verdorbene Speise, die Salmonellen enthielt, meinen Magendarmtrakt attackierte und das Immunsystem auf die Probe stellte. Daher das Schwinden der weissen Blutkoerperchen. So wie ich es verstand, war das das grosse Problem, die Gefaehrlichkeit der Situation: dass ich andere Infektionen aufgrund der Schwaechung des Immunsystem nicht mehr ueberstehen wuerde. Zum Glueck wurde das aber richtig festgestellt und behandelt.
Grosser Dank gebuehrt den kompetenten Aerzten in Cuenca, natuerlich meiner verstaendnisvollen Familie und vor allem auch der zuverlaessigen Rega. Heute bin ich mehr denn je davon ueberzeugt, dass man in einer Notsituation im Ausland wirklich auf die zaehlen kann (wen man denn Regagoenner ist).

Heute, 2.5 Wochen nach der Lebensmittelvergiftung mit Kompikation, fuehle ich mich wieder bei Kraeften. Grosse koerperliche Anstrengung vertrage ich jedoch noch nicht. Ob der unbekannte Virus vom letzten Mai/Juni bei der ganzen Sache noch eine Rolle spielte, kann ich nicht sagen.

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