Meine letzten Tage in Kolumbien

Soo, drei Wochen seit dem letzten Eintrag. Da schlaegt die biologische Uhr Alarm, denn soviel Information kann einfach nicht gespeichert und muss moeglichst rasch auf digitalen Speicher uebertragen werden. Los gehts:

Nach der La Guajira – Halbinsel (letzter Eintrag) musste ich eine Erholungspause einlegen. Einserseits war nach diesem absoluten Highlight Kolumbiens die Abenteuerlust etwas geschwunden; andererseits musste ich Schritte unternehmen, um der brutalen Hitze Santa Martas zu entfliehen. Da nicht soviel wie noetig geschwitzt werden kann, staute sich  die Hitze nach und nach in meinem Haupt auf und verursachte einen laestigen ‚Daemmerdroehnkopf‘ (faellt mir keine bessere Beschreibung ein).
Abkuehlung versprach zunaechst das eine Auto-Dreiviertelstunde entfernte, auf 600m gelegene Minca. Ein Kleinstdorf mit mehreren umliegenden Hoefen, sogenannten ‚fincas‘, die mehrheitlich von Gringos eingenommen und teilweise zu Hotels/Hostels umfunktioniert worden sind. Es liegt mitten in den Feucht-trocken-Regenwaeldern am Fusse der majestaetischen Sierra Nevada de Santa Marta mit schneebedeckten Bergspitzen. Diese waren aber jeweils nur fruehmorgens sichtbar, da die Regenzeit jeden Tag verlaesslich Wolken und Wolkenbrueche schickte. Eine sechsstuendige Wanderung liess ich mir deswegen nicht entgehen, schliesslich durfte ich bei Halbzeit – just als es zu regnen begann – eine mehrstuendige Pause in einer Berghuette einlegen; inklusive Kaffee und Pfannkuchen. Da ich sprichwoertlich auf ‚Schusters Rappen‘ unterwegs war, musste ich das grosszuegige Angebot des Huettenbesitzers ablehnen, den Nachhauseweg auf einem Mountainbike zu absolvieren (was zweifellos ein herrliches Vergnuegen gewesen waere). Moeglich waere eine Route von 3100m ue. M. bis 0m (Meereshoehe). Nur so als Tipp fuer jene, die noch kommen…

Zurueck in meiner Haengemattenbasis Santa Marta fasste ich den Entschluss, den belgischen Neu-Vollzeitbauer zu besuchen, der in der Sierra Nevada seit einem Jahr zusammen mit seiner kolumbianischen Ehefrau einen oekologischen Hof fuehrt. Alle moeglichen und unmoeglichen Fruechte und Gemuese werden dort angebaut. Auf den ersten Blick scheint dieses Aussteigerpaar vollends dem Streben und Rennen der modernen Zivilisation entflohen. Doch wenn man etwas genauer hinschaut, schwindet der Neid, sobald man realisiert, welchen Aufwand es kostet vollstaendig selbsterhaltend sein zu wollen. Zusaetzlich waren die drei Hunde fuer mich, der eigentlich zur Erholung gekommen war, eine zu grosse Nervenbelastung. Trotzdem blieb ich drei Naechte und liess mich mit vergetarianischen Koestlichkeiten der kolumbianischen Kueche verwoehnen. Wobei Fleisch durchaus vorhanden waere: Viele Huehner, einige Schweine, Kuehe und ein Kalb sorgen nebst der vielfaeltigen Plantagen fuer viel Arbeit.
Abwechslung verschaffen dabei die idyllischen, scheinbar unberuehrten Flusslaeufe und Wasserfaelle.
Ein Kuriosum stellt die zur finca gehoerende Kokaplantage dar, die als Ueberbleibsel an weniger friedliche Zeiten im Norden Kolumbiens erinnert. Seit ein paar Jahren wird dort naemlich kaum mehr produziert. Als die US-unterstuetzten Flugzeuge Agent Orange abzuwerfen begannen, war es vorbei mit dem grossen Geschaeft. Uebrigens: Frisch gepflueckt und getrocknet stellen die Kokablaetter eine wunderbare Option fuer einen leckeren Tee dar.

Zurueck in Santa Marta (wieder einmal) ging ich ziemlich direkt weiter bis nach Barichara, ein Dorf in der oestlichen Andenkordillere Kolumbien, in welches ich mich sofort verliebte. Menschenleere Gassen, ein wunderbar warmes, nicht zu heisses Klima und viele gemuetliche Beizen zeichnen dieses Doerfchen aus, das 18. Jahrhundert stecken geblieben scheint. In dieser Region lebten urspruenglich die Guane, ein grossgewachsenes Indianervolk, das laut verschiedenen Theorien von den Wikingern abgestammt sein koennte. Wie sich herausstellte, waren aber auch kriegerische (ehemalige) Wikinger gegen die spanischen Kolonialheere machtlos. Die kulturellen Museen, die man wohl in ganz Suedamerika findet, scheinen mir mehr und mehr ein Hohn, ein kleines Pflaesterchen auf eine viel zu grosse Wunde; die versuchte Wiederbeatmung eines Gestorbenen, der schon lange tot ist und dessen immense Bedeutung man zu spaet erkannte. Wahrlich eine traurige Geschichte….
(Guane ist uebrigens ein noch kleineres, doch mindestens ebenso fotogenes Dorf, das man von Barichara aus bequem ueber einen Fussweg erreicht.)

Die Reise ging schnell weiter: Im eher kuehlen Tunja (2500m) verbrachte ich ein sehr unterhaltsames Wochenende bei kolumbianischen und internationalen Studenten, bevor ich nach einem kurzen Umweg in das koloniale Dorf Villa de Leyva (nicht halb so schoen wie Barichara) in die Hauptstadt Bogotá uebersiedelte.

Bogotá: Gefaehrliche, gewaltverseuchte Riesenstadt? Drogen- und Smoghoelle? Grossstadtlabyrinth?
Halb so wild! Mein Fazit: Nette Leute, eher garstiges Wetter, angenehme Altstadt, gut verstaendliches Verkehrssystem, moderner Norden doch sehr arme Viertel im Sueden (klaffende Ungleichheit wie fast ueberall in Kolumbien), relativ sicher!
Mit dem Goldmuseum ein weiteres herziges Pflaesterchen (Highlight davon: das Muisca-Boot. Die Muisca waren die urspruenglichen Einwohner Bogotas, es wurde sehr fein mit Gold gearbeitet).
Die pompoese unterirdische Kathedrale mitten in den Salzminen Zipaquirás ein schoener Tagesausflug, doch meiner Meinung nach kein must-see. (Viele Kolumbianer wuerden mir widersprechen!)

Noch was zu den Muiscas: Die Lagunae Guatavita in einem erloschenen Vulkankrater war fuer sie ein heiliger Ort, wo sie ihren Goettern mitunter goldene Opfer erbrachten. Dies naehrte weit ueber die Kolonialzeit hinaus Fantasien von Eldorado, der goldenen Stadt, usw. Die originellste Idee hatte wohl ein Ami, der im 20.Jh. den ganzen Krater entleerte, indem er eine Spalte in die Kraterwand grub. Die Funde waren den Aufwand jedoch nie wert, wie auch bei den illegalen Tauchern.

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Meine Haengemattentour durch die kolumbianische Karibik

Cartagena – die meistbesuchte Touristenstadt Kolumbien – hielt was sie versprach. Eine unglaublich schoene Altstadt, heisses Klima und warme Leute. Im Hotel machte ich mich fuer zwei Tage auf einem Bett gemuetlich. Eine Ausnahme. Die bevorzugte Schlafunterlage in dieser Region Kolumbiens ist naemlich die Haengematte.
Die erste davon ‚genoss ich‘ an der Playa Blanca auf der Insel Barú nahe Cartagena. Die Fahrt dorthin bestand in zwei Stunden Bus bis zum Canal de Dique, durch die Armenviertel und Bauernmaerkte der Millionenstadt hindurch. Der Anblick solchen Elends sollte eigentlich wuetend machen und aufregen, doch der Reisende gewoehnt sich halt zu schnell an den Anblick extremer Armut. Die Faulheit der Leute – sie liegen tagsueber in Haengematten, auf Treppen, Simsen oder einfach auf dem Trottoir – ist vernuenftig: Wer sich weniger bewegt und weniger denkt, der verbraucht weniger Kalorien und muss sich somit weniger Nahrungsmittel beschaffen.
Der Canal de Dique wird je nach Wahl per Faehre oder Kanu ueberquert. Von dort aus sinds dann noch ca. 20 Minuten auf dem Mototaxi: Man laesst sich hinten auf dem Motorrad sitzend zum gewuenschten Ziel chauffieren. Eine Transportart, die ich sehr mag: Kuehler Fahrtwind blaest um die Ohren und die Aussicht kann ohne stoerende Fenster genossen werden. Dass man nicht runterfaellt, muss man selbst schauen. Umgehaengt mit zwei grossen Rucksaecken kann das schon mal eine Herausforderung darstellen…
Die Playa Blanca ist ein ca. 2km langer, weisser Sandstrand, gesaeumt von einfachen Baracken oder Unterstaenden mit Haengematten. Der Streifen dahinter ist leider sehr zugemuellt. (Der Sinn fuer korrekte Abfallentsorgung fehlt an der Kariikkueste Kolumbiens weitgehend.)

Mit der Regenzeit hier hatte ich nach meiner Ankunft in Cartagena ja schon Bekanntschaft gemacht; dazu siehe letzter Beitrag. Als ich also abends in meiner ueberdachten Haengematte direkt am Strand lag und doeste, zog nach Mitternacht eine Unwetterfront auf. Die Winde brachten mich ziemlich ins Schaukeln, bevor der Regen einsetzte. Zum Glueck waren alle anderen Haengematten unbesetzt (es ist Nebensaison; die Nacht kostet je nach Ort drei bis fuenf Franken) und ich konnte mir eine aussuchen, die etwas windgeschuetzt war. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei. Doch es sollte nicht das letzte Mal sein…
Am naechsten Morgen fuhr ich mit einem neukolumbianischen Ami raus zum Schnorcheln und genoss das klare Wasser mit den vielen bunten und kuriosen Fischen. Dann gings auch schon wieder zurueck nach Cartagena, diesmal aber fuer einen unschlagbaren Preis mit dem Schiff. Am Abend frischte ich im Nachtleben Cartagena meine Salsakuenste wieder auf (das erste Mal seit Cali). Am naechsten Morgen, es war Samstag, ‚busste‘ ich zusammen mit einer Handvoll Argentinier in die naechste Karibikstadt Kolumbiens: Santa Marta. Barranquilla, die Herkunftsstadt Shakiras, liess ich aus. Einerseits aus Zeitgruenden, andererseits, weil es fuer den Touristen kaum was zu sehen gibt dort.
In Santa Marta war wieder Couchsurfen angesagt. Besser gesagt: Haengemattensurfen. Da es Samstagabend war, wurde ich von der Dreier-WG gleich mitgeschleppt zur Kneipenspritztour in der Altstadt Santa Martas. Wie gut! Ich bin nun seit zehn Tagen in Santa Marta in meiner ach so bequemen Haengematte stationiert und nutze die strategisch gute Lage fuer Ausfluege in nahegelegene Naturwunder.
Zum Beispiel: Zwei Tage im einzigartigen Tayronanationalpark mit seinen kristallklaren Straenden und immergruenen dichten Regenwaeldern. (Ich schlief – richtig erraten! – in der Haengematte). Ein Tagesausflug ins von Touristen verunstaltete Fischerdoerfchen Taganga und einer zur Quebrada Valencia.
Dann: vier Tage auf der Guajira-Halbinsel ganz im Norden Kolumbiens.
Jegliche Beschreibung, die ich hier abgeben werde, wird La Guajira nicht gerecht. Das ist eine andere Welt, das ist nicht mehr Kolumbien, das ist Territorium der halbautonomen Wayuu. Was fuer ein Volk! Gewiefte Verhandler, sture Dickkoepfe, gelassene Bewohner einer Halbwueste, die so wenig fuers Leben hergibt. Fischerei (mit Netzen oder einfach tauchend ohne Sauerstoff) und die Haltung von bemitleidenswerten, durch die stachlige Kakteenlandschaft streifenden Ziegen und Schafen bilden die Lebensgrundlage. Dazu ist seit ein paar Jahren der Tourismus gekommen. Ich schlief ein Mal in der Stadt Riohacha auf einer Couch und drei Mal (richtig geraten!) auf der Haengematte.

Von Riohacha nach Cabo de la Vela faehrt man zuerst zwei Stunden mit einem Privatauto. In Uribia wird dann auf Jeep umgestiegen. Die Wueste ist heiss! Drei Pannen machten die Jeepfahrt nicht angenehmer, doch dank Batterientausch mit anderem Jeep und Anschieben schafften wir es doch noch. Die erste Nacht in Cabo war noch sehr angenehm. In der zweiten zog dann ein Sturm auf. Zum Glueck waren in der unteren, geschlossenen Etage noch ein paar Betten frei; in der Hochsaison kommen bis zu 50mal mehr Leute und das Fischerdoerfchen verwandelt sich in einen Partystrand.
Dann wagte ich die Ueberfahrt nach Punta Gallinas, der noerdlichste Punkt Suedamerikas: Meine zwei Schweizer Freunde, ein etwas uebermotivierter deutscher ‚Abenteurer‘, sowie ein 24-jaehriger Israeli, der sich nach 4.5 Jahren Militaerdienst eine verdiente Auszeit goennt, begleiteten mich. 40 Minuten im Jeep nach Puerto Bolívar. Das ist eine Ansammlung von kleinen Boetchen an einem haesslichen Straendlein. Dann zwei Stunden im Boot nach Punta Gallinas. Zusammen mit ein paar Wayuus. Die Fahrt ueber Land ist wegen verschlammter Wege (Regenzeit!) nicht moeglich.

Kaum eingeschlafen in unseren Haengematten am Ende der Welt, setzt der obligate Wind mit einstuendigem Regenfall ein. Wiederum duerfen wir ins Hausinnere auf Matratzen fluechten. Die Familie, die uns beherbergt, geht sehr nett und zuvorkommend mit uns um. Im Fahrpreis inbegriffen war auch eine Trucktour auf der Ladeflaeche zu den schoensten Straenden und Aussichtspunkten auf dem noerdlichsten Zipfelchen Kolumbiens. Immer wieder kamen wir an einer Handvoll Baracken vorbei, durchquerten Ziegenherden, umfuhren Wasserlachen und ueberfuhren Kakteen.
Nachdem auch die Morgendaemmerung durch die Wuestenlandschaft fahrend und an weiteren magischen Straenden verbrachten, war es Zeit die Sachen zu packen und das Boot zurueck nach Puerto Bolívar zu starten. Der Capitán hatte angerufen: Aufgrund des Hurrikans in der USA wurden im Laufe des Tages starke Winde und Regenfaelle erwartet. Auf unserer Bootsfahrt genossen wir aber weiterhin die Sonne. Doch, kaum eine Minute nachdem wir in Puerto Bolivar sicheres Land betreten hatten, beginn es zu regnen und zu winden. Weitere Touristen, die nach Punta Gallinas wollten, mussten vorerst in einem Unterstand ausharren. Die Armen… auf unserer Jeepfahrt zurueck nach Uribia goss es stundenlang wie aus Kuebeln, auch in der Regenzeit ein aussergewoehnliches Ereignis. Immerhin befanden wir uns in einer semi-ariden Wueste, wo es an gewissen Orten seit zwei Jahren nicht mehr geregnet hatte. Sandy laesst gruessen…
Den Weg von Riohacha nach Santa Marta schliesslich verbrachten wir in einem ‚Schmuggelbus‘. Unter vielen Sitzen waren prall gefuellte Plastiksaecke platziert worden. Doch prompt kamen wir in eine Polizeikontrolle. Alles wurde ausgeraeumt. Schlussendlich brauchten wir fuer den Weg knapp fuenf Stunden statt deren zwei. Und wir durften nicht am Busterminal aussteigen, sondern wurden in einem Vorort 30 Minuten von Santa Marta ‚rausgeworfen‘. Wieder mal etwas gelernt… wir Knausrige haetten besser eine der zuverlaessigeren (aber teureren) Buslinien ausgewaehlt.

Ueber Hexen, Kaffee und sterbende Beruehmtheiten

17 Stunden Busreise trennten mich vor zwei Tagen noch von Medellín nach Cartagena. Medellín: 3-Millionen Metropole in einem engen Tal auf 1500m und Ex-Pablo Escobar-Town – Cartagena: Nr.1 Tourist-Town Kolumbiens mit ueberwaeltigender Altstadt an der Karibikkueste.
Leider musste ich feststellen, dass es die Regenzeit vor mir an die Karibik schaffte. Es giesst hier wie aus Kuebeln und wegen schwacher Kanalisation war die Strasse vor meinem Hotel heute frueh ein Fluss…

Zeitsprung: Vor drei Wochen war ich noch in Cali (siehe letzter Eintrag) und suchte nach positiven Erlebnissen. Es gelang. Drei Privatlektionen bei der mehrfachen Salsa-Weltmeisterin Francy Baharona verwandelten mich in einen eleganten Taenzer, zumindest fuer ein paar Tage. Den gemuetlich-lauen Sonntagabend verbrachte ich inmitten aufgestellter kolumbianischer Familien und Verliebter auf einem Aussichtshuegelchen mit Kapelle. Das Ausgehwochenende fiel allerdings ins Wasser: ‚Ley seca‘ – das ‚trockene Gesetz‘ sorgte dafuer, dass die caleños am Wochenende der Kongressvorwahlen nicht in einen unzurechnungsfaehig machenden Alkoholrausch verfielen…
Dafuer entschaedigte mich der Tagesausflug nach San Cipriano – in eine andere Welt. Zwei Stunden Busfahrt trennt Cali vom zur Pazifikregion zaehlenden Córdoba. Gefuehlte 99% der dortigen Bewohner sind schwarzer Hautfarbe, Nachkommen ehemaliger Sklaven. Die Hitze und Feuchtigkeit sind drueckend, gelebt wird langsam und vor allem gaaaanz gemuetlich (relajado). Es gibt keine fixen Arbeitszeiten und die ersten Bierflaschen werden auch unter der Woche schon in den Morgenstunden geoeffnet. Aus den Boxen toent die sehr typische música pacífica. Sehr gefaellig, ebenfalls sehr relajado und mit Hip-Hop-Tendenzen.
In Córdoba bestiegen wir eine brujita (Hexe). Das ist ein Holzgeruest mit Stahlraedern, angeschraubt an einem Motorrad. Das ganze wird auf die Eisenbahnschienen gehievt, der Motor wird gestartet und los geht die rasante Fahrt! Ein einzigartiges Erlebnis. Es gibt nur eine Schienenspur. Bei Gegenverkehr wird das Gegenueber zehn Sekunden lang angestarrt. Dann ganz kurz diskutiert, worauf der ‚Schwaechere‘ sein Gefaehrt von den Schienen nimmt und Platz macht. Eine ganz schoen komplizierte Prozedur 😉
Vielleicht zwanzig Minuten dauert die Fahrt nach San Cipriano, ein rustikales Touristendoerfchen mit billigen Absteigen und ein paar Restaurants. Am Wochenende ist es scheint’s voll mit Tausenden von Leuten. Zum Glueck gingen wir freitags. Doble cinco, unser Brujitafahrer, war gleichzeitig unser Fuehrer durch den Dschungel des angrenzenden Naturreservats. (Dank an die allzeitbereite Vermittlerin und Naturfreundin Andrea aus Cali!)
Viel Tschalpen im Dschungel (kennen wir schon), ein versteckter magischer Wasserfall (ein prickelndes Erlebnis), und nach dem Mittagessen Abkuehlung im nahegelegenen Fluss. Ein perfekter Tag! Zurueck nach Cali gings am Abend ueber Buenaventura, mit ca. 400’000 Einwohnern der groesste Pazifikhafen Kolumbiens.
Die befahrene Region ist ausserdem bekannt durch versteckte Cocaplantagen und Gold-Tagebau. Ersteres verantwortlch fuer Urwaldabholzung, letzteres fuer Gewaesser- und Umweltvernichtung durch riesige Mengen von Quecksilber…

So weit, so gut. Wollt ihr wirklich alles hoeren? Ich warne euch, es waren drei Wochen und der Eintrag wird noch lang…

Folgende Station war Armenia in der Kaffezone aka zona cafetera. Dort fand ich fuer fuenf Tage Unterschlupf im Vorort Circasia. Strategisch gute Lage: sehr nahe an Salento und dem schoenen Valle de Cocora. Das ist wie ein Schweizer Bergtal, ausser dass noch bis zu 60m hohe Wachspalmen ueber den Waeldern hinausragen. Ein ziemlich surrealer Anblick (siehe Fotos). Abgesehen davon war ich froh, nicht direkt in Salento zu wohnen, wo die Konzentration an internationalen Touristen unertraegliche Masse annimmt.
Meine Schweizer Freunde Eliane und Fabian aus Bergschachen (oder so) sorgten fuer die notwendige Unterhaltung waehrend dieser Tage. Sie nahmen mich auch mit zu einer abenteuerlichen 6-stuendigen Exkursion in den Nebelwald, wo wir Bruellaffen aus naechster Naehe beobachten und anhoeren konnten. Unser Fuehrer Pedro José kannte den Wald wie seine eigene Hosentasche und fuehrte uns mit seiner Machete sicher hinein und wieder hinaus.
Der Nebelwald lag nahe am ebenfalls sehr schoenen Doerfchen Filandia. Eigentlich hiesse es Finlandia, doch ein N ging mit der Zeit verloren. Nahebei trifft man auf Ortsnamen wie Armenia oder India. Diese Region wurde halt erst vor 150 Jahren kolonisiert; die Einwanderer stammten hauptsaechlich aus Europa und die Eingeborenen wurden erstmal dem Erdboden gleichgemacht und die Waelder abgeholzt, um Platz fuer Plantagen zu schaffen. Wie gesagt, grosse Kaffee-Exportregion.

OK, genug gelaestert.

Synchron mit dem Schweizer Flitter-Reisepaar ging es zwei Stunden weiter nach Norden: Manizales gehoert ebenfalls zur Kafferegion. Mit 400’000 Einw. sehr gemuetlich, das Klima angenehm frisch, ist diese Stadt eine willkommene Abwechslung zu den Armutsmetropolen Cali oder Medellin. Sie liegt auf gut 2100m und erinnert in ihrer ‚Huegeligkeit‘ an gewisse Regionen der Schweiz. Der Unterschied: Die Seilbahn wird hier nicht zum Skifahren benuetzt, sondern als urbanes Transportmittel wie auch in Medellin.
Das Naturreservat, welches wir hier besuchten, ist gleichzeitig die Trinkwasserquelle fuer Manizales. Juhui, H20 also wieder direkt vom Wasserhahn, wie danach auch in Medellin. (Das Trinkwasser ist eine Qualitaet Kolumbiens.) Unsere Fuehrerin war 15 Jahre alt – dem Alter entsprechend meisterte sie die Aufgabe gut 😉 Die wilden Tukane, welche wir zu Ende der Wanderung beobachten durften, entschaedigten mehr als genung fuer die ca. 3Fr. Parkgebuehr. Das war mein erstes Mal, dass ich wilde Tukane sah.
Ein weiteres Must-Do in der Kaffezone war natuerlich der Besuch einer Hacienda mit Kaffeeplantage. Es lohnte sich sehr, denn der ganze Produktionsprozess von der Aussaat bis zur fertigen Tasse Kaffe wurde uns aufgezeigt. Darauf folgte die Degustation des einheimischen Espressos; grosses Kino! Der Kaffee schmiegte sich zart wie Seide vom Gaumen auf die Zunge und schliesslich in die Speiseroehre. Der beste Kaffe – ‚live‘ vor Ort. Interessant waere noch, dass der First-Class-Kaffe fast ausschliesslich in die USA oder nach Europa exportiert wird. Dort wird er aber mit anderen Sorten gemischt und erst dann in die Regale gestellt, d.h. 100% kolumbianischer Kaffe bekommt man praktisch nie zu Gesicht, ausser man kauft ihn hier vor Ort.
Man muss sagen, dass es die Kaffeanbauer hier nicht einfach haben (geschweige die angestellten Pfluecker). Die Unterstuetzung vom Staat ist praktisch gleich Null, dementsprechend ist man dem Klima und den Schaedlingen extrem ausgeliefert. Keine Ernte = kein Geld = keine Arbeit = Armut.

Nach vier Tagen  Manizales kam es, wie es wohl kommen musste: Medellín.

So schlimm, wie das toent, war es natuerlich nicht. Trotzdem wollen mir die Grossstaedte Kolumbiens – wovon Medellín die zweitgroesste ist – bisher nicht recht gefallen. Die Geschichte ist relativ schnell erzaehlt: Mit der Metrocable (das ist die Seilbahn fuer den Nahtransport) fuhr ich ueber die Armenviertel Medellíns und bestaunte die eindrueckliche Aussicht ueber dem Tal. Es ist ein Muss fuer Touristen. Und stadtplanerisch ein sehr kluger Schachzug: Die Busse braeuchten Stunden fuer die gleiche Strecke. So kommen die Leute aus ihren barrios (arme Quartiere) raus und haben die Moeglichkeit einer anstaendigen Arbeit nachzugehen, welche nichts mit Kokain oder Waffen am Hut hat. Ausserdem wurden namhafte moderne Bibliotheken direkt in die Randstaendigenquartiere hineingepflanzt. Und seit mehr als 15 Jahren hat Medellín eine Metro. Zwar nicht unterirdisch, doch immerhin die einzige Kolumbiens auf Schienen. Ich denke, viele aehnliche Staedte koennten sich von Medellín eine Scheibe abschneiden. Medellín zeigt, was auch in einer 3.Welt-Stadt moeglich ist: Die Bevoelkerung naeher zusammenzubringen, indem das alltaegliche Leben erleichtert wird. Die Frage ist jedoch: Inwiefern sind die Aermsten in der Metro erwuenscht, bzw. wird ihnen Transport verguenstigt angeboten? Ich wuerde mit Nein beantworten; einerseits waren die Zuege oft sehr voll und andrerseits kostet eine Fahrt (egal wohin) umgerechnet 1 Franken. Fuer Viele unbezahlbar…
Architektonisch hat Medellín vergleichsweise wenig zu bieten. Deshalb zahlte sich der Tagesausflug nach Santa Fé de Antioquia aus. 1.5h von Medellin und in der Hitze von nur 600m ue. M. liegt dieses als Hauptort der Provinz laengst von Medellin  abgeloeste Staedtchen. Nur 15’000 Einwohner und spanische Architektur vom Feinsten; ich waehnte mich in einem mediterranen Doerfchen an der Kueste Suedspaniens im Hochsommer. Mehrere Restaurants warteten im Innenhof mit Schwimmbecken zur Abkuehlung auf. Wahrlich ein notwendiger Genuss!
Ebenfalls notwendig war der Besuch der nahegelegenen puente del occidente (Bruecke des Westens), ein beispielhaftes Bauwerk aus dem vorletzten Jahrhundert. Die Ueberquerung ist heute nur noch zu Fuss, mit Motorrad oder neuerdings mit den exotisch anmutenden importierten Rikscha-Taxis erlaubt.
Fehlt noch ein letztes Highlight Medellíns: Das Museum von Antioquia. Eigentlich waere es eher mittelmaessig. Wenn nicht…
Ja, wenn nicht was? Wenn nicht der weltbekannte, aus Medellin stammende Maler und Bildhauer Fernando Botero waere! Er hat diesem Museum zum Genuss seiner Besucher grosse Teile seines Gesamtwerkes ueberlassen. Der grosse Platz vor dem Museum im (fuer blonde blauaeugige Europaeer wie mich eher unangenehmen) Zentrum Medellins ist gesaeumt von seinen uebermannsgrossen Bronzegussskulpturen. Das Museum selbst beherbergt weitere Skulpturen plus Dutzende Gemaelde Boteros. Kennzeichen seiner Werke ist die Dickheit (er selbst wuerde sagen ‚Voluminositaet‘) aller dargestellten Wesen und Sachen. Ich war angetan. Botero widmet sich sowohl den vielen schoenen Facetten Kolumbiens als auch den weniger schoenen. Highlights fuer sensationsgieriege Schaulustige wie mich sind dementsprechend die Gemaelde der Ermordung Pablo Escobars auf den Daechern Medellíns (wobei das auf dem Bild zu sehende Medellín in den Fuenfzigerjahren stehen geblieben scheint, also in jener Zeit, als Botero aus Medellín auswanderte).
Das Couchsurfen war uebrigens i.O. Meine Gastgeberin pflegt einen sehr aktiven Lebensstil mit vielen Hobbys, weshalb ich meistens auf mich alleine gestellt war bei meinen Exkursionen. War aber genau richtig so.

Wer weiss, wann es das naechste Mal News gibt. Die Karibikregion hat auf jeden Fall viel zu bieten. Jetzt geh ich gleich auf Stadtbummel in Cartagena. Die Sonne scheint naemlich wieder, das macht die feuchte Hitze ein bisschen (un-)ertraeglicher!

Dreimal richtig durchgeschuettelt

Die letzten Tage waren sehr erlebnisreich… Ich werde zuerst mit dem Negativen beginnen.

„Diskutieren, diskutieren, diskutieren!“
Vor ca. zwei Wochen im Bus von Ipiales zurueck nach Pasto erfuhr ich zum ersten Mal Korruption am eigenen Leib. An drei verschiedenen Militaercheckpoints wurde ich aufgefordert, meine Papiere zu zeigen. Beim ersten war der Polizist freundlich und nachdem ich meine Passkopie zeigte (das Original hatte ich nicht dabei), durfte der Bus weiter fahren. Beim zweiten Checkpoint wurde es das erste Mal heikel. Es wurde bemaengelt, dass ich nur die Kopie der Pass-Hauptseite dabei hatte, aber nicht jene des Eintritt-Stempels in Kolumbien. So mussten wir aus dem Bus aussteigen. Es wurde uns gedroht, dass man mich aufs Migrationsamt bringen muss. Nach einigen Minuten des Diskutierens liessen uns die vier Polizisten gewaehren und wir konnten im Bus weiterfahren. Erst spaeter wurde mir klar; auch sie wollten nur Geld erpressen. Wahrscheinlich hatten sie ihren Kollegen am Busterminal in Pasto ‚vorgewarnt‘. Jedenfalls stand der schon auf dem Perron, als wir aus dem Bus ausstiegen. Ein weiteres Mal: Papiere zeigen bitte… Ich war dieser Prozedur langsam ueberdruessig. Warum ich denn nicht den Original-Pass mitfuehre?, wurde ich abermals gefragt. Das bedeute ein Verstoss gegen das Gesetz, in diesem Fall muessten sie mich auf das Migrationsamt bringen, wo ich dann ausgeschafft wuerde… Wir wurden in eine kleine Huette ohne Licht gefuehrt (es war schon dunkel draussen…), wo die Diskutiererei weiterging. Ich mochte einfach nicht mehr. Ploetzlich hiess es, Leute die Probleme mit den Papieren haetten, bezahlten normalerweise 100 Dollar. Das sei die Alternative. Ich schaute in mein Portmonee und sagte: „Ich habe 20’000“ (pesos; dh. ca. 10 Dollar). Der Polizist fragte: „20’000 was??“, und man sah schon die Dollarzeichen in seinen Augen leuchten. Schlussendlich lief ich um 35’000 Pesos erleichtert und mit einem unguten Gefuehl im Bauch von dannen. Wie ich spaeter von Kolumbianern erfuhr: In solchen Faellen musst du immer diskutieren, diskutieren, diskutieren. NIcht nur 5 Minuten,so wie ich, sondern 20 oder 30! Dann lassen sie einen im Normalfall gehen. Niemals sollte man bezahlen, da stachelt sie nur zu weiteren Erpressungen anderer Leute an.
Das Recht ist schliesslich auf meiner Seite, ich habe immer das Recht, in meine Unterkunft zu gehen, um zu beweisen, dass ich einen gueltigen Pass habe. Na ja, die Kolumbianer kennen fuer solche Polizisten nur eine Bezeichnung: „Hijo de …“

Besser nicht davonlaufen
Ein noch etwas unangenehmeres Erlebnis hatte ich am Samstag in Cali. Eigentlich wollte ich vom Hostel aus zu einem Supermarkt marschieren, um eine Flasche Wasser einzukaufen. Der Receptionist meinte, ich solle 10 Bloecke geradeaus Richtung Zentrum, dort gebe es einen grossen Supermarkt. Die Strasse wurde, je weiter ich lief, immer voller von Menschen, bis ich mich in einem Getuemmel von Marktstaenden, Kleiderlaeden und Menschen befand. Ploetzlich stand ein ziemlich unfreundlich aussehender Mann vor mir und begann auf mich einzureden. Zuerst begriff ich nicht, worum es geht, bis er auf die (vermeintliche?) Pistole zeigte, die sich unter seinem T-Shirt abzeichnete. „Mone, mone, mone!“ redete er auf mich ein und beginn ploetzlich wie verrueckt an meiner Halskette zu ziehen. „Rápido rápido!“ – „Schnell, schnell!“, sagte er. Ich entschied, dass jeglicher Widerstand bzw. davonzulaufen ein zu grosses Risiko darstellen wuerde, trotz der grossen Menschenmenge. Es gafften alle nur, aber niemand griff ein. Ich loeste die Halskette, die mir sogleich weggerissen wurde und ueberreichte ihm mein Tagesportmonee, das umgerechnet etwa 40 Franken enthielt. Danach lief ich schnell davon.
Der grosse Fehler war wohl die goldene Halskette, welche ich nicht unter dem T-Shirt versteckt hatte. Ausserdem sollte man auf der Strasse grundsaetzlich mit niemandem reden.
Im Hostel meinten sie, ich haette in dieser Menge auch davon laufen kommen. Doch dazu war es zu spaet, als ich realisierte worum es ging. Auch in Reisefuehren etc. wird generell davon abgeraten, davon zu rennen oder sich zu wehren. Die Diebe seien dann unberechenbar; es wurden auch schon Leute umgebracht fuer ein wenig Taschengeld. Im Normalfall ist es das Sinnvollste und vor allem das Sicherste, den Dieben zu geben wonach sie sind, ohne Diskussionen (im Gegensatz zu den Polizisten…) Ein bisschen wurmt mich der Verlust der Halskette, doch irgendwann musste es wohl dazu kommen, da ich sie jeden Tag mit mir rumtrug. Sie war ein persoenliches Andenken. In Zukunft will ich auf jeden Fall nicht mehr gutglaeubig stehen bleiben, wenn mich auf der Strasse jemand anspricht.

So, nun zum Positiven und Abenteuerlichen (99% von dem was ich erlebe in Kolumbien 🙂 )

Von Pasto aus (2500 m.ue.M.) „bus-te“ ich vor vierzehn Tagen durch die undurchdringbaren Andenabhaenge nach Mocoa (500 m.ue.M.), die Hauptstadt der amazonischen Provinz Putumayo. Diese Strasse traegt wohl zurecht den Uebernamen „Trampolin des Todes“. Allein im Jahr 2011 blieben hier 500 Menschen auf der Strecke. Sie ist die meiste Zeit nicht breiter als drei Meter, extrem kurvig und ungeteert. Dazu kommen unzaehlige Schlagloecher und Spuren von Erdrutschen und Steinschlaegen. Vielerorts waren Arbeiter waehrend meiner Ueberfahrt mit der Montage von Leitplanken beschaeftigt, welche mir an gewissen Stellen ein Gefuehl von Sicherheit vermittelten. Trotzdem war ich doch sehr erleichtert, das fatale, gut 100km lange Trampolin nach fuenf Stunden hinter mir zu wissen.
Das Staedtchen Mocoa hat nebst ein paar Billard-Schuppen, Essbuden und einem Ueberangebot an frischen Tropenfruechten nicht viel zu bieten; der Trumpf ist die Naehe zu spektakulaeren Wasserfaellen und unberuehrten Regenwaeldern. Da ich beides in diesem Jahr zur Genuege bestaunen durfte, fiel mein Aufenthalt in Mocoa – im nach Gaesten duerstenden, aber idyllischen Hostel eines Belgiers – relativ kurz aus (zwei Tage). Am einen Tag lief ich zum ‚Fin del Mundo‘ (Ende der Welt), eine Kaskade von kleineren bis sehr grossen Wasserfaellen mit Naturschwimmbecken. Die Pfade sind schon zu ausgetreten und der Ort schon zu oft besucht, als dass von der Magie der Wasserfaelle im Urwald noch ein Stueck uebrig geblieben waere. Genossen hab ich’s trotzdem.
Am andern Tag besuchte ich einen Umweltbildungs-Naturpark-Regenwaldzoo (‚Centro de Experimentacion Ambiental‘) nur wenige Kilometer von Mocoa. Der Ort ist quasi noch ‚under construction‘ und viele der beschlagnahmten Tiere hausen in provisorischen und zu kleinen Kaefigen. Als Highlight durfte ich die groesste Suesswasser-Fischart bestaunen, der in den Amazonasgewaessern heimische Pirarucu, der angeblich eine Laenge von bis zu 3m erreicht. Dieses spektakulaere Video zeigt, wie der Jaguar einen Pirarucu jagt. Ausserdem gab es unter anderem einen Jaguar Undyi, drei Ozelote, Tapire und Regenwaldwildschweine.
Zufaelligerweise war zur gleichen Zeit wie ich eine Sekundarklasse aus Puerto Asis zu Gast. Sie luden mich zu ihrem Lager-Mittagessen ein und liessen mich dann fast nicht mehr los. Schliesslich sehen die nicht jeden Tag einen ‚Mono‘ (kolumbianische Sprechart fuer ‚Weisser‘; eigentlich ‚Affe’…). So verbrachte ich dann den ganzen Tag mit dieser Klasse aus dem Amazonasgebiet, nahm an ihrer Umweltbildung teil und holte im Hostel den Schlafsack, um am Abend am Lagerfeuer teilzunehmen und draussen zu schlafen. Bei den ‚Gruselgeschichten‘ des Lehrers erfuhr ich, dass gleichenorts vor vier Jahren eine ‚mona‘ (->Weisse) von Paramilitaers hingerichtet wurde. Das war mir dann nicht mehr so geheuer. Dann musste ich noch ein bisschen von meinen Reisen erzaehlen, bevor nach ein paar Liedchen alle ins Zelt (oder auf den Fussboden der Huette, wie ich) gingen, um zu schlafen. Dass ich kaum ein Auge zubrachte, hatte aber weniger mit der getoeteten Hollaenderin zu tun, als mit der Tatsache, dass mein Schlafsack viel zu warm war und die Moskitos extrem nervten.
Am naechsten Tag hiess es frueh aufstehen, fruehstuecken, Abschiedsfoto mit der Klasse, zurueck zum Hostel, duschen, packen, per Anhalter in die Stadt und zurueck zum Hostel (Wertsachen vergessen), per Taxi zum Terminal und per Bus auf guter Strasse in drei Stunden nach Pitalito.
In dieser unspektakulaeren und mutmasslichen Drogen-Drehscheibe-Kleinstadt genoss ich den Charme des kolumbianischen Wochenendes, wiedermal Couchsurfen und leckere Fruchtsaefte.

Gruene Huegel und raetselhafte Statuen

Pitalito liegt nur 40 Minuten von San Agustin, das mein naechstes Reiseziel war. Zwei Tage genuegten fuer eine kleine Rundschau der bedeutendsten archaeologischen Staette Kolumbiens. Die vielen Graeber, geritzten Steine und Skulpturen bedarfen weitgehend einer Eigeninterpretation, da aus jener Zeit vor ca. 4-5000 Jahren keine schriftlichen Zeugnisse erhalten sind.
Zu meinem Programm gehoerten ein Rundgang im ‚Parque Arqueológico‘ und eine ‚Tour a Caballo‘ (Pferderitt mit Fuehrer) zu ein paar weiteren bedeutenden Staetten. Da ich bekanntlich kein Archaeologiefreak bin, haute mich die aus gruenen Huegeln und verstreuten Landsitzen bestehende Landschaft noch fast mehr aus den Socken als das Kulturell-Historische. Mein persoenlicher Hoehepunkt war dann auch die Einkehr in einem ‚deutschen‘ vegetarischen Restaurant, wo ich die bisher leckerste kolumbianische Mahlzeit serviert bekam.

Letzten Mittwoch gings dann auf der naechsten Holperpiste zurueck nach Popayan, wo ich vor ca. drei Wochen schon war. Naja, was kann ich zu dieser Strasse sagen? Absolut jaemmerliche Zustaende im Vergleich zu den neuen Hauptstrassen Ecuadors! (Man vergleicht halt automatisch.) Und es sollte nicht die letzte Durchschuettel-Ganzkoerpermassage dieser Woche sein… Highlight auf dem Weg war dann aber eine rigorose Gepaeckkontrolle der Polizei, die darin gipfelte, einen riesigen Sack mit Hunderten von Fischen zu durchsuchen. Die Fische wurden einzeln inspektiert, ob anstelle der Eingeweide vielleicht andere Beutelchen platziert worden waren. Dem Vernehmen nach nicht… Trotzdem wurde der ganze Fund am Strassenrand fuer die Muellabfuhr deponiert, da Fischtransporte ohne Eis verboten sind. Ich erinnere mich schmunzelnd an jene Busfahrt nach Guayaquil, als von mir unbemerkt im Heck des Buses sich ein Fisch-Sack oeffnete und meinen Rucksack benaesste. (Seither wird dieses Gepaeckstueck nur noch im Regenschutz eingehuellt transportiert!). Eine Stunde vor Popayan – in Coconuco – stieg ich aus und liess mich von einem Motorradtaxi zu einem Thermalbad chauffieren, wo ich dann auch uebernachtete. Und am andern Tag mit einem Kater aufwachte, wegen des vielen Rums, den mir die Kolumbianer angeboten hatten (auch in den heissen Thermalbecken wird heftigst getrunken…).

Nun also, Popayan kannte ich ja schon von vor drei Wochen. Es galt lediglich nachzuholen, was ich damals verpasst hatte: einen Tagesausflug in den Nationalpark des Vulkanes Puracé. Eine Besteigung kam wegen meiner fortwaehrenden Knieschmerzen nicht in Frage. Es war ein aufregender Tag, denn im Gebiet verkehren nur wenige Busse und Sammeltaxis. Ich kam doch ein bisschen umher, besuchte eine Schwefelmine, den Rastplatz der Kondore (die ich nicht zu Gesicht bekam) und als Highlight die heissen Naturquellen ‚San Juan‘. Es ist eine ausserirdisch anmutende Ansammlung von sprudelnden heissen Schwefelwasserbecken in unwahrscheinlichen Farbkombinationen.
Ein Bad zu nehmen (formell verboten) wurde mir vom Parkwaechter augenzwinkernd erlaubt; ich solle lediglich die giftigen Gase ‚vermeiden‘, welche austreten, wenn ich das Wasser in Bewegung versetze. Das stellte sich aber schwieriger heraus als erwartet, da erwaehnte Gase zwar stinken, aber unsichtbar sind…

Die Rueckfahrt nach Popayan (2h) managte ich im letzten Abendbus, eine alte Klapperkiste schaetzungsweise aus den 70er-Jahren. Ich uebertreibe jetzt NICHT: Die Anzahl Schlagloecher auf der ‚Strasse‘ waren mehr als zwei pro Streckenmeter. Und sie waren so tief, dass es mich schon mal 20cm vom Sitz in die Hoehe jagte. Daraus entstand ein witziges Video-Selbstportrait.

Will weg und bleibt…

Jetzt bin ich seit letztem Freitag wieder in Cali. Eine Stadt, die ich kaum greifen kann, aus der ich fast jederzeit abreisen moechte, aber dann doch bleibe, mit dem Gefuehl „das kann es doch nicht gewesen sein“. Ja, was mach ich hier eigentlich?
Oke, so schlimm ist es schon nicht. Am Wochenende fand gluecklicherweise das Weltfestival des Salsatanzes hier statt. Eine Mischung aus Zirkus, Tanz und kollektiver Ekstase in der Stierkampfarena. Drei Abende lang jeweils vier Stunden Tanzspektakel, Paare, Gruppen, verschiedene Stile gepaart mit Fanatismus und einer Prise Humor.
Und jetzt soll ich selbst noch ein paar Tanzschritte aufgreifen in dieser selbsternannten ‚Welthauptstadt des Salsa‘. Dazu muss ich aber warten bis der Durchfall wieder nachlaesst.

Wo sich Kolumbien und Ecuador Gute Nacht sagen

Nun bin ich seit ueber zehn Tagen in der kalten, suedkolumbianischen Andenstadt Pasto (ca. 2500 m.ue.M.). Das Leben hier ist relativ angenehm, die Stadt mit 400´000 Einwohnern ueberschaubar. Eigentlich war hier maximal eine Woche vorgesehen. Aus zwei Gruenden verzoegert sich aber die Abreise (wahrscheinlich morgen). Am Busbahnhof angekommen traf ich auf eine Freundin aus Ecuador, welche fuer ein paar Wochen Kolumbien bereist. Da wir uns gut kennen, nahm ich sie gleich mit zu meinen Couchsurfing-Gastgebern, was zum Glueck kein Problem war. Zusammen erkundeten wir sieben Tage Lang Pasto und Umgebung. Ausgerechnet am letzten Tag renkte ich mir bei einer dummen Aktion die Schulter aus. Vorerst also nix mit Weiterreisen, solange es schmerzt kann ich ja nicht zwei Rucksaecke rumschleppen…

Pasto ist nur zwei Stunden von der ecuadorianischen Grenze entfernt. Deshalb wirkt die Stadt nicht sehr kolumbianisch, aber auch nicht ecuadorianisch, es ist eine schraege Mischung… Am meisten an Ecuador erinnert hier die lokale Spezialitaet ‚cuy‘ (Meerschweinchen), welche an jeder zweiten Ecke gebraten wird.

Der grossen Sehenswuerdigkeiten hat Pasto drei an der Anzahl zu bieten. Der sehr nahe ueber der Stadt thronende, aktive Vulkan Galeras (4270m) und zwei Seen, die Laguna de la Cocha und die Laguna Verde. ‚La Cocha‘ ist von Pasto aus bequem in 40min mit dem Taxi erreichbar, fuer die Laguna Verde brauchten wir aber schon zwei Stunden mit dem Bus, 30 Minuten mit dem Taxi und dann noch zwei Stunden zu Fuss (auf ca. 3800m).
Die drei Tagesausfluege haben sich alle sehr gelohnt, auch wenn das Wetter bei den zwei Seen schlecht bis miserabel mitspielte.
Mitten auf der La Cocha-Lagune liegt ein Inselchen, das durch eine kurze Bootsfahrt erreichbar ist. Der darauf spriessende Bergregenwald steht unter Naturschutz, dementsprechend ist die Insel ein Nationalpark. Am Ufer des Sees reihen sich Dutzende gemuetliche Holzhuetten aneinander, welche die vorwiegend einheimischen Touristen einladen, fuer eine gebratene Forelle und einen liebevoll zubereiteten ‚hervido‘ (heiss gekochter Maracuya-Brombeer-oder Lulo-Sirup mit einem guten Schuss ‚aguardiente’=Schnaps und Zuckerrand) einzukehren. Wenn es nur nicht so kalt waere… brrr…
Auf dem Weg zur Laguna Verde (‚der gruene See‘) war es so kalt, dass ich mir fast die Finger abfror, so windig, dass es uns fast umwarf und die Sicht so schlecht, dass wir uns verliefen und bangen mussten, uns nicht im endlosen Labyrinth des kolumbianischen Páramo zu verirren. Glueckllicherweise fanden wir wieder aus der zwischenzeitlichen Verzweiflung heraus und konnten die mystische Schoenheit des abgelegenen, gruenen und schwefelhaltigen Wasserbeckens am Fusse des wolkenverhangenen, nur zu erahnenden Azufral-Vulkanes bestaunen. Die warme Dusche am Abend war so herrlich wie noch nie…
Zuletzt schliesslich, wagten wir uns an die Haenge des Vulkanes Galeras, ein durchaus machbarer Aufstieg. Nach kurzer Zeit begann aber mein Knie wieder zu schmerzen, weshalb wir nach Erreichen eines tiefergelegenen Aussichtspunktes wieder kehrt machten. Abgesehen davon waren wir eh ein bisschen spaet unterwegs. Die Aussicht war trotzdem wunderbar und fuer einmal machte uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung beziehungsweise Nebelschwaden vor die atemberaubende Landschaft.
Betreffend mein Knie: Laut dem Hausarzt in der Schweiz waere eigentlich eine Kortisonspritze angesagt. Da ich aber noch unter dem Einfluss verschiedener Impfungen stehe, kommt dies nicht in Frage, denn Kortison hemmt das Immunsystem. Bis auf weiteres sind groessere Treks also nicht im Bereich des Moeglichen.
Betreffend Wetter: Ueberall wo ich bisher war in Suedamerika (’nur‘ Ecuador und Kolumbien) spricht man bezueglich der Jahreszeiten von Winter und Sommer. ‚Winter‘ bezeichnet immer die niederschlagsreichere Jahreszeit, ‚Sommer‘ sind die Monate mit am wenigsten Niederschlag. Die Temperatur spielt wegen der Aequatornaehe eine untergeordnete Rolle. Herbst oder Fruehling existieren nicht. Demenstsprechend variieren Winter und Sommer je nach Region des Landes, wo man ist. Vereinfacht gesagt kann zum Beispiel gleichzeitig im Osten Winter sein, im Westen und im Norden Sommer, jedoch im Sueden wieder Winter.
In Pasto ist zurzeit Winter (ca. Juli-September), Sommer waere dann Dezember-April.

Die Stadt ist wie gesagt anstaendig, man kann sich auch zu Fuss ziemlich frei bewegen (bis am Abend die dunklen Gestalten auf den Strassen auftauchen) und es gibt ein paar gemuetliche Cafés um etwas zu Trinken, zu entspannen, ein Buch zu lesen oder vor sich hin zu philosophieren. Die Ausgangsszene scheint ebenfalls nicht von schlechten Eltern zu sein (die Kolumbianer lieben es zu trinken, zu singen und zu feiern). Kulturell ist aber eher wenig los.

Wie gehts jetzt weiter? Wenn es meine Schulter zulaesst (wahrscheinlich werde ich sie dazu zwingen), besteige ich morgen Mittwoch den Bus von Pasto nach Mocoa. Mocoa liegt in der oestlichen Provinz Putumayo, welche dem Amazonasgebiet angehoert. Von dort aus gehts dann wieder Richtung Norden, woher ich kam, nur auf einer neuen Strecke. Sorry, ich faende es einfach zu langweilig, wieder ueber die gleichen Strassen zurueckzugehen, deshalb habe ich mich fuer den Weg ueber Mocoa und Pitalito/San Agustin entschieden.
Ich moechte euch nicht vorenthalten, dass die Strecke Pasto-Mocoa gemeinhin als gefaehrlichste Strasse Kolumbiens bezeichnet wird. Das verdient sie aufgrund der extrem hohen Klippen ohne Leitplanke, ihrer Schmalheit, der konstanten Erdrutsche und Steinschlaege und dem Umstand, dass es groesstenteils eine Schotterstrasse ist. Uebername: „el trampolin de la muerte“ – das Trampolin des Todes. Wuenscht mir also bitte viel Glueck, betet fuer mich oder drueckt die Daumen, was auch immer.

Bienvenido a Colombia

Bienvenido a Colombia – Willkommen in Kolumbien. Dieser Satz ist durchaus ernst gemeint. Ich fuehle mich hier sehr willkommen, die Kolumbianer sind ein sehr gastfreundliches Volk. Beispielsweise ist es mir in Ecuador nie passiert, dass ich auf der Strasse von wildfremden Leuten angesprochen werde, die mich fragen, ob ich irgendeine Information brauche oder ob ich den Weg finde. Hier jedoch schon mehrere Male!
Gestern Abend zum Beispiel, als ich etwas ziellos durch Popayan schlenderte – La Ciudad Blanca (die weisse Stadt) in der ich gestern ankam. Ich erwiderte den zwei Maedchen „Nein, ist alles ok, aber habt ihr Lust mitzukommen, damit ich heute Abend mein Bier nicht alleine trinken muss?“ Gesagt, getan! Im Karaoke musste ich dann meine Version von ‚Hotel California‘ zum besten geben.

Nun, die erste Woche in diesem faszinierenden Land war sehr intensiv. Zum Glueck wurde ich schon am Flughafen von Cali von einer Couchsurferin abgeholt, bei welcher ich die folgenden sieben Tage verbringen sollte. Um den Jetlag moeglichst bald hinter mich zu bringen, nahm ich sofort den kolumbianischen Tagesrhytmus an. Alleine und mehr oder weniger zu Fuss machte ich mich auf Entdeckungstour durch die Millionenstadt Cali. Die Stadt an sich ist nichts Schoenes, doch gibt es einige gemuetliche Viertel. Und das wichtigste, die Leute haben fast immer ein Laecheln auf dem Gesicht und sind bereit ein Schwaetzchen zu halten, was natuerlich auch meinen Spanischkenntnissen zugutekommt.
So lief ich in der Mittagshitze auf einen Huegel mit drei grossen Kreuzen, welche mittlerweile von einem Wald von Antennen mehr oder weniger verdeckt werden. Die Aussicht auf die Stadt belohnte die Muehen des steilen Aufstieges. Ich fuehlte mich auch jederzeit sicher, auf dem Weg patroullierten Polizisten und sogar eine Kavallerie ist am Start (!)
Stichwort Sicherheit: Alle groesseren Staedte Kolumbiens werden als sicher angesehen und sind vom grassierenden Buergerkrieg nicht tangiert. Dementsprechend leben 95% der Bevoelkerung (ca. 45 Millionen) in einem Zustand, wo das Niveau der Sicherheit absolut ausreichend ist (diese Zahl habe ich von einer TV-Debatte, die ich gestern verfolgte…) . Die restlichen fuenf Prozent jedoch leiden unter der Gewalt der Rebellen und Paramilitaers. Diese 5% leben auf dem Land, dementsprechend sind ziemlich grosse Gebiete fuer Touristen tabu. Wer sich dennoch in die heiklen Gebiete traut, laeuft Gefahr gekidnappt zu werden, was immer wieder geschieht! Ich werde mich jedenfalls davor hueten und die entsprechenden Regionen nicht betreten.
Zurueck zu meiner ersten Woche. Meine Gastgeberin nahm mich mit auf eine kleine Velotour zu einem nahe der Stadt gelegenen Teich, der unter Schutz steht. Sie ist Biologin, weshalb ich immer wieder interessante Details erfuhr. Das Highlight der Woche war sicherlich der zweitaegige Ausflug in die ’selva pacífica‘, den pazifischen Kuestenregenwald westlich von Cali. Dazu mussten wir mit dem Bus eine Gebirgskette ueberqueren und auf der anderen Seite weiter unten an der Strasse aussteigen. Es war schon dunkel..  Zu Beginn passierten wir ein offenes Tanzlokal – es war Samstagabend – und liefen, die rhytmischen Klaenge der pazifischen ‚Neger‘-Musik im Ohr, mit den Gummistiefeln durch den Schlamm in Richtung Regenwaldhuette.
Nach ca. 40 Minuten, durchnaesst, erreichten wir die Huette, wo die naechste Ueberraschung anstand: Kochen auf dem offenen Feuer! Dass das gesammelte Holz ziemlich feucht war, gestaltete das Unternehmen auch nicht einfacher… zum Glueck stand uns eine geuebte ‚Indigena‘ zur Hilfe, die Frau welche die Schlafplaetze zur Verfuegung stellt.
Am naechsten Tag liefen wir zu einem Aussichtspunkt, von wo wir bis nach Buenaventura sehen konnten, die Hafenstadt am Pazifik welche einen grossen Teil des kolumbianischen Import-Export bewaeltigt. Unterwegs spotteten wir mit unseren Feldstechern vom Aussterben bedrohte Riesenvoegel (Penelope Ortoni), sahen Schlangen (auch meine ‚alte‘ Freundin, die Equis…), Echsen und Froesche… natuerlich immer mit biologischer Erklaerung.
Es war ein wunderbarer Tag! Wir badeten in Wasserfallbecken, kraxelten den Fluss hoch, bewunderten die Naturwunder und liessen alles auf uns wirken. Die ‚Area en conservacion de la Microcuenca Quebrada Pericos‘ – fuer Touristen eigentlich kaum erreichbar, doch Couchsurfing machts moeglich.
Auf dem Rueckweg fielen mir die vielen Militaer-Checkpoints auf. Ich wollte fotografieren, doch das wurde mir schnell abgeraten. Nebst der Kamera wuerden sie wahrscheinlich gleich auch noch meine Halskette beschlagnahmen… Oberhalb einer kleinen Ortschaft, wo wir umstiegen, wird offenbar Coca angebaut. Die Bauern machen das, weil was anderes kaum mehr rentiert, und die Guerillas nehmen die Ware natuerlich gerne an.

Fuer den Ausgang hatte ich in Cali leider keine Zeit mehr; Muedigkeit wegen der restlichen Aktivitaeten und der Jetlag versagten mir das Vergnuegen in der ‚Welthauptstadt des Salsa‘. Das wird aber sich noch nachgeholt, vielleicht auch in einer anderen Stadt.
Seit gestern bin ich nun in Popayán – die Weisse Stadt – alle Gebaeude in der kolonialen Innenstadt sind weiss, was ziemlich Eindruck hinterlaesst. Eindruck hinterliess auch die vierstuendige Busfahrt hierhin. Die Buschauffeure fahren wie die ‚Gepickten‘, gelegentlich wird auch in der Kurve und ohne Sicht ueberholt. Da sitzt man machtlos im Wagen und kann nur hoffen… 😉 Es kam zweimal beinahe zu einer Kollision; einmal war es ein verrueckter Motofahrer von links, einmal ein ueberholendes Fahrzeug auf der falschen Strassenseite. Und dann fuhren wir noch an einem Unfallort vorbei, wo gerade zwei schrottreife Gelaendewagen abtransportiert wurden. Naja, dieses Risiko muss man als Reisender auf sich nehmen, es kann ja immer was passieren, auch im Heimatland.

Zu guter Letzt fiel mir noch was auf im Vergleich zu Ecuador. Der Wohlstand scheint viel ungleicher verteilt zu sein. Man sieht viele wohlhabende Leute, denen es offensichtlich gut geht, leider aber auch sehr viele Arme, die irgendwie versuchen ueber die Runde zu kommen. Pferdewagen sind auch mitten in Cali keine Seltenheit. Wer sich das Pferd nicht leisten kann, zieht sein Hab und Gut halt eigenhaendig umher, als gleichberechtigter Teilnehmer des Strassenverkehrs… Apropos, hier in Popayan gibt es keine Ampeln in der Innenstadt. Dementsprechend fahren alle wild umher, doch es funktioniert erstaunlich gut!

Die naechsten Plaene. Heute Nachmittag gehe ich zu meinem Gastgeber von CS hier in Popayan und werde ca. 2-3 Tage hier bleiben. Dann gehts weiter nach Pasto, die Stadt im Sueden nahe mystischer Lagunen und eines aktiven Vulkanes. Also, bis dann…