Kolumbien?

Nach drei Monaten in Kolumbien ist es mir kaum moeglich eine persoenliche, abschliessende Uebersicht zu geben, wie das vielleicht bei Ecuador noch moeglich war (sh. hier). Ecuador ist um einige Groessenordnungen kleiner und uebersichtlicher als Kolumbien und ich verbrachte dort die doppelte Zeit, nicht nur reisend sondern auch arbeitend. Diese Art des Kennenlernens eines Landes fand ich wunderbar. Man taucht viel mehr ein in den Alltag der Leute und die Kultur des Landes, kann dieses viel mehr greifen und be-greifen. Das war in Kolumbien schon weniger der Fall. Ich lernte das Land eher durch die touristische Brille kennen und grosse Teile sind kaum zu bereisen, da gefaehrlich. Nichtsdestotrotz interessierte ich mich auch fuer Hintergruende, fragte und hinter-fragte, war oft begeistert und stand ebenso oft ratlos da. Ich begriff vieles nicht, verstand nicht warum. Habe kaum Erklaerungen oder Begruendungen bereit fuer die katastrophale Situation des Landes: Korruption auf allen Ebenen, ein nicht enden wollender Krieg zwischen dem Staat, der FARC und den Paramilitaers. Kolumbien ist das Land mit am zweitmeisten Binnenfluechtlingen (nach Sudan). Die soziale Schere geht sehr weit auf, es gibt eine breite reiche Oberklasse, die sich in Einkaufszentren american-style vergnuegt und sich mit Schoenheitschirurgie ‚verbessert‘. Daneben vor allem in den Staedten unglaublich viele Arme und hohe Kriminalitaet. Ein katastrophales Bildungssystem. Der Ausweg aus dem Elend wird zu oft im Drogenhandel und -anbau gesucht. Vertriebene lassen sich in den Armenvierteln nieder, treffen dort auf Faustrecht statt Polizei, Schiessereien statt Arbeit.

Auf der anderen Seite: Eine ernome Lebenslust im ganzen Land, das froehliche Zusammenleben allermoeglichen Hautfarben. Es wird gearbeitet, um am Wochenende zu tanzen, zu feiern, zu singen und zu lachen. Zwischen den Wochendenden wird ebenfalls getanzt, gefeiert, gesungen und gelacht, geholfen und gewartet, getroffen, gefreut und getrunken. Diese Stimmung wirkt ansteckend, und macht gluecklich. Niemand ist sich fuer ein Laecheln zu schade, man interessiert sich aufrichtig fuer sein Gegenueber, freut sich mit ihm, leidet mit ihm.
Die kulturelle Vielfalt ist oft verwirrend, es gibt Dutzende ganz verschiedene Musikstile, Taenze, Sprachen und Traditionen. Die Klimazonen unterscheiden sich genau so stark wie die Hautfarben, ebenso die Staedte und die Doerfer, die verschneiten Berge, die herrlichen Straende, die tiefen Urwaelder und die gandenlosen Wuesten. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind Kolumbien.

Kolumbien ist ein Land der krassen Gegensaetze, das definitiv niemanden kalt, doch viele (und da zaehle ich mich dazu) ziemlich ratlos zurueck laesst.
Was bleibt, sind tiefe Eindruecke, Impressionen, die lange, vielleicht ein Leben lang haften bleiben werden. Und die Hoffnung ist da, dass ich irgendwann, irgendwann vielleicht, etwas mehr verstehen werde von diesem wahrhaft wunderbaren Land. ¡Viva Colombia!

 

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